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Es ist erstaunlich genug, daß eine Band wie Diary Of Dreams nach vier regulären Alben immer noch so ziemlich allein auf weiter Flur die Speerspitze der deutschen Dark-Wave-Szene bildet. Doch mit Diorama betritt ein Projekt die musikalische Bühne, das mit seinem Debütalbum "Pale" (Accession/EFA) für eine echte Bereicherung des Genres darstellt. Der klassisch geschulte Pianist Torben Wendt hat unter Mithilfe seines Mentors Adrian Hates (Diary Of Dreams) und Rainer Assmann (Live-Techniker von Killing Joke, DAF und Fad Gadget) ein musikalisch vielschichtig zwischen melancholischen Piano-Balladen und rhythmischen Wave-Nummern variierendes Album kreiert, das zwangsläufig Assoziationen zu Diary Of Dreams wachruft.
Doch auch wenn der Gesang oft frappant dem von Adrian Hates ähnelt und gewisse Arrangements Parallelen zu Diary Of Dreams aufweisen, so ist Diorama auch trotz des ähnlichen Namens ein absolut eigenständiges Projekt, das ganz den emotional intensiven Visionen des sympathischen Künstlers aus Reutlingen entspringt. 1996 aus dem Drang gegründet, Dinge hörbar zu machen, die sich sonst dem Innern verschlossen hätten, wurde Diorama für Torben, wie der altertümliche englische Name des Projekts widerspiegelt, zum Schaukasten. Beeinflußt sowohl von typischen Bands, die die Musikszene der 80er nachhaltig mitgeprägt haben, wie Talk Talk, Camouflage und Black als auch klassischen Komponisten wie Beethoven und Grieg, entstand 1996 ein 4-Track-Demo, das Torben Adrian Hates zuschickte, weil dieser mit Accession Records gerade sein eigenes Label für seine Band Diary Of Dreams gegründet hatte und die ideale Heimat für Diorama darstellen würde. Hates war sofort begeistert von dem Potential, das in Diorama steckte, und nahm den jungen Künstler nicht nur sofort unter Vertrag, sondern produzierte "Pale" und wirkte zudem als Gast-Sänger und -Gitarrist mit. Innerhalb von zwei Jahren entstand ein Album, das musikalisch von eindringlichen Harmonien, stark variierendem Gesang und emotional tief bewegenden Arrangements aus melancholischen Piano-Sequenzen, vielschichtigen Rhythmen, ausgefeilten Electro-Klängen und gelegentlichen Gitarren-Einsätzen geprägt wird, während textlich vor allem Franz Kafka als Inspirationsquelle Pate stand, den Torben aufgrund seiner einmaligen Fähigkeit zum präzisen Ausdruck seines Inneren und zur Schaffung düsterer Atmosphären sehr verehrt. Die zwangsläufig gezogenen Vergleiche mit Diary Of Dreams empfindet Torben eher als Ehre, denn als Schande, weiß er doch um die Originalität, aber auch Eigenständigkeit beider Projekte. Insofern stellt Diorama eine echte Bereicherung für das Dark-Wave-Genre dar.
text: Dirk Hoffmann
foto: gunnar engel
quelle magazin-bericht: zillo - oktober 1999  |