oblivion juni 1999 - interview diorama
Ambivalenz?

torben wendt dioramaMit "Her liquid arms" liegt das zweite Album von Diorama vor und schöner kann man sich einen Nachfolger kaum vorstellen. Schon der Erstling "Pale" faszinierte durch dunkle, jedoch eingängige Musik und die Texte bewegten das Gemüt durch den intelligenten Ausdruck purer Romantik und sehnsuchtsvoller Melancholie. Aus dem Solo-Projekt von Torben Wendt ist übrigens ein Zweier mit Steuermann geworden, da mittlerweile Felix Marc - ein langjähriger Freund von Torben, mit dem er schon seit 1994 musiziert - fest integriert wurde und Rainer Assmann erneut für den Mix zuständig war. Auf "Hla" wurde kräftig aufgerüstet, denn es werden neben gewohnter Verträumtheit nun auch elektronisch tanzbare Synth-Wave-Kracher präsentiert, die den Atem moderner Technik in sich tragen, ohne denselben durch tumbe Verfolgung des Trends wieder zu verlieren. Neben der schon immer vorhandenen dezenten Pop-Attitüde ist somit ein weiteres Stilmittel gefunden worden, das es ermöglicht, den ohne Zweifel vorhandenen Tiefgang der Lyrik auf angenehme Weise zu erleben. Perfekte Instrumentierung sowie glasklare Produktion geben letztendlich den Ausschlag dafür, daß ich dieses Album für eines der besten aus diesem Genre halte. Torben widmete sich in sympathischer und ausführlicher Weise meinen Fragen...

? Du arbeitest bereits seit Ende 1999 am nun erschienenen Album. Meines Wissens wolltest Du "Her liquid arms" schon recht bald nach der Veröffentlichung von "Pale" herausbringen. Was waren die Gründe für den anderthalbjährigen Abstand zwischen den Werken?

Das Ding ist, daß man sich, auch wenn man beabsichtigt, zügig nachzuschießen, nicht zur Kreativität zwingen kann.

Die erste Zeit nach dem Erscheinen von "Pale" hatte ich Hemmungen, und wenn es nur kein rechter Bock war, mich wieder an die Maschinen zu setzen, um wieder loszulegen, oder wurde von keiner Muse geküßt. Also habe ich zunächst eine kleine schöpferische Pause eingelegt, zwar eigentlich nicht mit der Ambition, neue Inspirationen oder Ideen zu sammeln, aber mit ähnlichem Effekt. Außerdem stieß ich in zunehmendem Maße an die Grenzen der technischen Möglichkeiten meines damals noch sehr spartanisch ausgestatteten Studios, was auf die Dauer tierisch

unbefriedigend ist und ein Frustrationspotential erzeugt, das kreativitätstötend wirkt. Um wieder richtig abgehen zu können, mußte ich warten, bis mein Studioausbau vollzogen war, und bis ich damit endlich fertig war, waren wieder ein paar Monate vorbei. Die tatsächliche Produktionsphase eines Albums zieht sich dann ohnehin IMMER länger hin, als geplant.

? Musikalisch gesehen ist "HLA" viel voluminöser und tanzbarer als das Debüt ausgefallen. Das war nicht unbedingt zu erwarten und deshalb dürfte es interessant sein zu erfahren, warum Du Deine Songs in dieser Richtung 'ausgebaut' hast. War es eine Veränderung im persönlichen Geschmack oder ein vollständigeres Ausschöpfen vorhandener sowie neu erworbener technischer Möglichkeiten?

Gut erkannt! Beide Ansätze treffen ins Schwarze. Das Album reflektiert sicher meine momentanen musikalischen

Präferenzen. In der Produktionsphase hatte ich u.a. ungeheure Freude an Rhythmik und Tanzbarkeit, an

Filtermodulationen und Effektgalore, die man dem Album sicher anhört. Daneben stand geeignetes Equipment zur Verfügung, mit dem man in dieser Richtung amtlich arbeiten konnte.

? Du hast einmal gesagt, daß Deine Texte tief aus Deinem Inneren kommen und Dir ihre Bedeutung oftmals erst nach der Niederschrift/Vertonung bewußt wird. Hat sich an dieser Vorgehensweise etwas geändert? Kannst Du mittlerweile analytischer an die Schaffung eines Textes herangehen? Beschreibe doch bitte ein oder zwei Situationen, in denen Dir ein Text eingefallen ist!

Grundsätzlich hat sich an der Vorgehensweise nichts geändert. Die Texte entstehen aus sich selbst heraus, meistens lasse ich die Worte einfach fließen. Das mag pathetisch und unnachvollziehbar klingen, aber der

Entstehungsprozeß ist in der Tat gerade für mich kaum (logisch) erklärbar. Manchmal singe ich auch einfach irgendetwas vor mich hin, und aus einem anfänglichen bla bla kristallisieren sich nach und nach Textzeilen heraus,

die ich später verwenden kann. Natürlich werden bei der Textkreierung auch phonetische, stilistische und sprachliche Aspekte berücksichtigt, was im Allgemeinen nachträglich passiert, wenn ich die teilweise fragmentartigen Textpassagen, die mir so einfallen, zu einem Ganzen zusammenschustere. Ein bis zwei Situationen...  Auf einem längeren Nachhauseweg von einer rattenschlechten Party, das war irgendwann letzten Winter, und ich war alleine zu Fuß unterwegs, ist mir ein Großteil des Textes von "light" eingefallen. Der Refrain und dritte Vers von "e minor" ist mir während der Abendhygiene im Bad vor dem Spiegel zugeflogen. Die Situationen kann ich Dir aber wirklich nicht näher beschreiben. Ich weiß es schlicht nicht mehr genau, denn mit einem spektakulären Ereignis à la brennender Dornbusch ist das in keinster Weise zu vergleichen.

? Was beim Lesen Deiner Texte sofort auffällt ist, daß Du ein sehr anspruchsvolles Englisch verwendest. Man findet (trotz guter Sprachkenntnis) viele Worte, die man nicht sofort versteht und nachschlagen muß. Bist Du des Englischen so mächtig, daß Du solche Vokabeln aus dem Stehgreif verwendest? Schreibst Du gleich englische Texte

oder sind es Übersetzungen deutscher Urversionen?

Das Dolmetschen liegt mir nicht sonderlich, deswegen wenn englisch, dann gleich englisch. Daß ich im Englischen

auch auf eine, na ja meinetwegen: anspruchsvolle Textform achte, liegt daran, daß ich generell, in jeder Sprache, ein Faible für eleganten Sprachgebrauch habe. Mich faszinieren und beglücken ausgefeilte Formulierungen und treffsicherer Wortgebrauch anderer, was mich wiederum dazu veranlaßt, mich selbst als Verbal-Akrobat zu versuchen. Die meisten Vokabeln habe ich vielleicht noch von der Schulzeit, vom Studium (2 Semester Englisch/Französisch und seit 5 Semestern International Business, das zum großen Teil auch in Englisch abgehalten wird) oder von verschiedenen Briefverkehren mit englischen und amerikanischen Freunden her in petto. Hie und da wird auch mal eine nachgeschlagen, in der Regel, um für einen bereits vorhandenen Ausdruck ein schönes Synonym zu finden.

? Die von Dir verwendeten sprachlichen Bilder spielen mit Assoziation von Wasser, Luft, Zeit, Tönen und Licht. Stimmst Du dem zu? Warum sind Dir diese Begriffe besonders wichtig?

Ich spiele gerne mit den genannten Elementen, weil ich sie benutzen kann, um meine tatsächlichen Anliegen zum

Ausdruck zu bringen, und die beziehen sich nach wie vor auf meinen eigenen Mikrokosmos. Ein ganzes Album einer

bestimmten externen Thematik zu widmen, hätte für mich auch zu sehr Konzept-Charakter.

? Da das Bild vom Wasser in Deinen Texten den größten Stellenwert einnimmt, erstaunt es doch ein wenig, daß die Gestaltung des Booklets mit erdigen und Pastell-Tönen aufwartet. Warum und wie kam es zu diesem Kontrast und  welche Deiner Vorstellungen wurden so umgesetzt?

Ich glaube, Du bist der erste, der mich auf diesen Kontrast aufmerksam macht. Vom Cover und Artwork generell habe ich erwartet, daß sie die auf der CD enthaltene Musik in optisch geeigneter Weise visualisieren, liegt ja nahe, und das Ziel sehe ich als erreicht an. So sehr steht die flüssige Materie thematisch auch nicht im Vordergrund, um

eine Gestaltung in Blautönen oder so obligatorisch zu machen Das Cover enthält im Übrigen Bilder von Steinformationen aus den Canyonlands in Utah und Arizona, deren Maserungen sich durch Auswaschen mit Wasser

ergeben haben. Da haben wir's ja! Nein, mal ehrlich, wenn auf dem Cover ein Meerbild abgebildet wäre, fände ich das fast etwas billig. So weit geht mein Verlangen, ein einheitliches Konzept auch in der Grafik verwirklicht zu sehen, in der Tat nicht. Sie muß ins Gesamtbild passen und einen optischen Bezug zur Musik haben, und zwar für mich rein intuitiv und nicht themenbasiert.

? Zu Beginn des Albums scheint man ein Sample zu hören. Ist es denn eins und wenn: Woher stammt es?

Ja, da haben wir von einer Hörspielkassette die Kurzgeschichte "The tell-tale heart" von Edgar Allen Poe gesampelt, mehr oder weniger ein Zufallsprodukt, daß das Ende der Geschichte so erstaunlich mit der musikalischen Untermalung harmoniert.

? Im Refrain von "E minor" wird die Unfähigkeit beschrieben, jemanden glücklich zu machen. Die Strophen lassen Gedanken an eine Beziehung, Drogenabhängigkeit und Depression erahnen. Worum geht es genau und warum heißt der Song, wie er heißt?

Der Song nennt sich "e minor", da er in E-Moll geschrieben ist. Ohne Scheiß. Ich glaube, in "e minor" geht es um den

ewigen Widerstreit zwischen der aktiv lebenden Persönlichkeit und der steuernden inneren Kraftzentrale, die gemeinhin als Seele bezeichnet wird. Im Grunde ist der ganze Text ein einziger Monolog, den der Auseinander-Dividierte entweder direkt mit seiner eigenen Innerlichkeit oder seinen hohlen Augen, die er im Spiegel betrachtet, führt. Drogenabhängigkeit/-konsum sind dabei aber nicht konkret als solches verarbeitet, sondern vielmehr auch

wieder als Bild zu verstehen, um den bittersüßen Beigeschmack der Lebenssituation in potenzierter Form zu verdeutlichen, auf der einen Seite wunderschön und mit allen Sinnen genossen, auf der anderen Seite verheerend

und auf einen Untergang hinsteuernd.

? Wie bist Du auf die interessante Formulierung ,Sphinx-like stupid I surrender' (aus "Advance") gekommen? Was soll sie - auch im Kontext des Liedes - ausdrücken?

Weil der Handelnde erkennt, daß die "helle" Seite seiner Persönlichkeit von einer "dunklen" Kraft fasziniert ist und

Stück für Stück erobert und in Beschlag genommen wird, die ihrerseits niemals erhellt werden kann, und weil er sich der Unausweichlichkeit dieser Infiltration gewahr wird, die überdies auch darin begründet liegt, daß er das Dunkle als

solches nicht ehrlich ablehnt, beschließt er, aufzugeben, und den Dingen freien Lauf zu lassen, auch wenn er weiß, daß darin sein Verderben liegen wird. In diesem Widerspruch gefangen, vergleicht er sich und die Tragfähigkeit seines "Entschlusses" mit der Klugheit der Sphinxen, die zwar als weise gelten, aber aus dieser Tatsache für ihre eigene Existenz keinen wirklichen Vorteil ziehen können, sind sie doch in einem widernatürlichen Körper gefangen, und noch dazu zur ewigen Torwache und damit gleichzeitig zur Konfrontation mit Tod und Verderben gezwungen, in ihrer Handlungsfreiheit also keinesfalls autark, sondern vielleicht gerade aufgrund ihrer Weisheit in derart grotesker

Weise festgenagelt. Der Handelnde weiß, daß aus der Entwicklung, die in ihm stattfindet, kein Heil hervorgehen wird, trotzdem forciert er sie, weil sie sich längst seiner Person untergeschoben hat und verselbständigt seinem

Selbstverständnis entspricht. Das kommt ihm selbst regelrecht dumm vor, sphinxengleich dumm. Außerdem fand

ich, als ich die Textzeile so vor mir sah, die Alliteration auch ziemlich schick.

? In "Light" scheinst Du Dich mit den Thema Isolation auseinander zu setzen. Hier wird meiner Meinung nach wieder sehr deutlich, daß die Hoffnung in Deinen Texten nie vergessen wird. Wer ist hier isoliert und wo genau findet der Protagonist Hoffnung?

Der Text ist einer anderen Person in den Mund gelegt und richtet sich an den Sänger selbst. Es wird versucht, ihm die Sinnlosigkeit seines Schaffens, die Ungerechtigkeit und Gefühllosigkeit, mit der er dieser Person gegenübertritt, das Verdrehte in seiner Weltauffassung, das unendlich Traurige seiner auf zwischenmenschlicher Unfähigkeit beruhender Isolation (voilà!) vor Augen zu führen, aber nicht, ihn zur Umkehr zu bewegen. Dafür ist es bereits zu spät, das weiß die betreffende Person. Insofern ist der Punkt Hoffnung, die in diesem Falle natürlich von der außenstehenden Person ausgeht, hier erneut aufgrund von Unmöglichkeit realitätsfremd, aber eben das einzige, das ihr in dieser Momentaufnahme bleibt. Ein sehr persönlicher Text und eines der wenigen Stücke, das auf eine höchst konkrete Lebenssituation Bezug nimmt.

? Aus dem Text von "Hydro drugs" kann man ohne weiteres viele 'flüssige' Bilder herauslesen. Mir ist es jedoch nicht gelungen, einen Bezug zu Drogen herzustellen. Wie also ist der Titel zu verstehen?

Der Text nimmt passagenweise Bezug auf einem Traum. Mein Körper bestand darin gänzlich aus Wasser, und ich habe mich im Meer dennoch als eigenständige Einheit in rasanter Geschwindigkeit fortbewegt, wie eine Träne inmitten eines Tränenmeeres, während mir eine Stimme in unerträglicher Lautstärke die Worte "teilt sie dein schweigen" unaufhörlich in die Schläfen pochte, und die Unterwasser-Fahrt war im Traum dermaßen intensiv bzw.

flashig, daß ich mich beim Aufwachen gefragt habe, welche Drogen ich nehmen müsse, um diese Vision noch einmal durchleben zu können.

? Was kannst Du zu den gesprochenen Worten im Song "Photo" sagen, die einen augenscheinlichen Bezug zum Bandnamen darstellen?

Na, ein bißchen Kafka muß wohl immer sein, auch beim neuen Album. Die Worte stammen aus der Parabel "auf der Galerie" von Franz Kafka, die in diesem Fall von Ulrich Wildgruber, einem großartigen Theaterschauspieler, gelesen 

wurden. Die CD habe ich mir irgendwann mal gekauft. Wie das immer so ist, man hört sich eine Geschichte

hundert mal an, und auf einmal fällt es einem wie Schuppen von den Augen, wenn man eine Einzelheit oder eine

Parallele entdeckt, die einem vorher verborgen geblieben war. In der Tat nimmt das Zitat Bezug zum Bandnamen, aber auch zum Song "Photo", der aus der Beobachterposition eines nicht Partizipierungsfähigen geschrieben ist, wie Kafkas Geschichte auch.

? "Das Meer" läßt beim Hören Bilder von Caspar David Friedrich an meinem inneren Auge vorbeiziehen. Was sagst Du zu diesem Vergleich? Welche Inspirationen gab es für dieses Lied?

Den Vergleich finde ich schön, die Bilder von Friedrich nicht minder! Das Lied habe ich im Alter von 16 Jahren,

geschrieben, lang lang ist's her. Ich kann Dir beim besten Willen nicht mehr sagen, wann und wo das genau war,

aber ich saß definitiv irgendwo in einer Abendstimmung am Meer, als ich darauf gekommen bin. Ich meine, es ist während eines Urlaubs in Südfrankreich entstanden. Inspirationsquelle war ganz klar das Meer an sich, wenn man so am Ufer sitzt und die Gedanken in alle Himmelsrichtungen schweifen läßt, dann kommt man schon auf Ideen. Auf

jeden Fall hatte ich damals den seltenen Fall, daß Text und Musik komplett gleichzeitig vor meinem geistigen Ohr

entstanden und abgelaufen sind. Die Harmonien und den Ablauf wußte ich schon detailliert, bevor ich das Stück

zum ersten Mal am Klavier ausprobiert habe.

? Auf dem Accession Records-Sampler gibt es das exklusive Stück "You and Ice" von Diorama zu hören. Wann ist es entstanden und warum ist es auf keinem der beiden Alben zu hören? Welches Instrument spielt Katrin, mit der Du anscheinend zusammengearbeitet hast? Bitte sage auch etwas dazu, daß im Text einige (trügerisch) feste Stoffe wie Eis, Salz und geschmolzene Diamanten und den Gegensatz von Wärme und Kälte angeführt werden!

"You and Ice" habe ich mit der Maßgabe geschrieben, daß der Track ausschließlich auf dem Accession-Sampler vertreten sein würde, exklusiv eben. Fast ein bißchen schade, zugegeben, zum neuen Album hätte er auch noch gut gepaßt. Entstanden ist es Anfang letzten Jahres und die liebe Katrin hat die Gitarrenmelodie gegen Ende des

Stückes beigetragen. Gegensatz von Wärme und Kälte ja, daher rührt auch die besondere, tragisch-leichte Wirkung

des Stückes, wenn Du mich fragst. Der warme, schwere, ruhige Charakter der Instrumentierung und der intime, nahe Gesang treffen auf einen Text, der für sich genommen eiskalt wirkt. Ein zugefrorener See inmitten einer arktischen Schnee- und Eislandschaft, zwei Personen stehen sich auf gegenüberliegenden Ufern gegenüber. Ein eisiger Hauch von Abschied liegt in der Luft, und es ist klar, daß keiner von beiden einen Schritt auf den anderen zugehen kann, trotzdem verharren sie und blicken sich an. Ich habe mich lange gefragt, was mir dieses Bild genau

sagen will. Die Antwort liegt mit Sicherheit wieder in der verhärteten, erfrorenen zwischenmenschlichen Gefühlswelt begründet. Der Singende ist unfähig, zu der anderen Person eine Beziehung herzustellen bzw.

aufrechtzuerhalten. Außerdem kann er sie nur schemenhaft erkennen, was darauf schließen läßt, daß hier kein bestimmtes Ereignis verarbeitet wird, sondern die Unfähigkeit zu zwischenmenschlicher Wärme schlechthin. Im Grunde dient der Text dazu, diese Situation in ihrer Bildhaftigkeit zu schildern, mitsamt der zweifelnden Gedanken, die in ihr wohnen.

? Hast Du schon eine Vorstellung davon, wie es mit Diorama musikalisch, wie thematisch weitergehen könnte?

Keine Ahnung. Ich versuche gerade, noch eine Diorama-Maxi auf die Beine zu stellen. Hoffentlich geht sich das noch aus, da ich ab August sechs Monate in Toronto sein werde (Auslandsstipendium, Torben Wendt - Student) und davor voll ausgebucht bin. Vorstellungen eher im Sinne von Träumereien. Ich würde z.B. obergerne mal eine Platte mit Orchester aufnehmen. Aber was die nächsten Studioalben angeht, denke ich, Diorama wird immer für eine Überraschung gut sein. Feststeht auf alle Fälle, daß ich vorhabe, noch einigen Mist von mir zu geben, das war erst der Anfang...

? Letzte Worte?

Der tiefe Brunnen. Jahrelang braucht der Eimer um heraufzukommen und im Augenblick stürzt er hinab, schneller als

Du Dich hinabbeugen könntest; noch glaubst Du, ihn in den Händen zu halten und schon hörst Du den Aufschlag in

der Tiefe, hörst nicht einmal ihn. Danke noch mal für das Interview und die besten Wünsche!


interview: Elke Kämpgen & torben wendt

foto: gunnar engel

quelle magazin-Interview: oblivion - juni 1999

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