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Orkus: Gibt es einen besonderen Grund dafür, warum ihr als deutsche Formation englischsprachige Texte verfasst?
Torben: Das hat sich so ergeben.Bisher habe ich mich nie so umfassend an die deutsche Sprache für die Musik herangetraut. Es gibt bei deutschen Songtexten einen feinen Grat zwischen Plattheit und pseudopoetischem Blabla, den man treffen sollte. Und das schaffen die wenigsten. Es existiert aber durchaus der Wunsch, diese Herausforderung demnächst anzugehen.
Felix: Im Übrigen möchten wir, dass auch Menschen außerhalb Deutschlands unsere Texte verstehen können. Es fällt uns zudem leichter, unsere Gedanken auf Englisch zu fixieren. Dass wir auch deutsche Texte schreiben können, haben wir ja in der Vergangenheit bereits gezeigt.
Orkus: Und warum hat dann gerade das weitgehend instrumentale Stück Klarheit einen deutschen Titel bekommen?
Torben: Hinter dem Stück steht wohlgemerkt sehr simplifiziert, eine Entwicklung, die den Sänger mittels gegensätzlicher Positionen durch einen Teil seiner Vergangenheit führt. Was bleibt und was in ihm wächst, ist die Klarheit über die Vorgänge, die ihm keiner nehmen kann, wenn auch alles ruiniert scheint. Warum das jetzt ausgerechnet auf Deutsch stattfindet? Ich glaube, das liegt daran, dass sich die harte Phonetik der deutschen Sprache gut für solche prägnanten Einwortzeilen eignet.
Orkus: Was wollt ihr mit dem Titel der Platte, grob übersetzt "Die Kunst, verwirrende Geister zu erzeugen", ausdrücken? Meint ihr damit eure eigene Musik - als Mittel zur Aufrüttelung?
Twn: Richtig! Der Titel bezieht sich auf das Musikmachen selbst und auf die Beziehung, die zwischen der Band und ihrer Musik entsteht. Die "verwirrenden Geister" symbolisieren die ungeahnte Fähigkeit, sich selbst zu überraschen und in musikalische Sphären vorzustoßen, die bisher in dieser Form noch nicht erschlossen waren.
Orkus: Habt ihr dabei versucht, eine gezielte Botschaft in eure Musik einzubauen?
Torben: (lacht): Ja, klar: "Saufen, saufen, saufen!"
Bernard: Wir machen keine Musik, um Messages zu verbreiten, sondern um uns selbst in unser gewähltes Diorama zu versetzen. Das Diorama sieht je nach Laune anders aus. Die Messages richten sich, wenn überhaupt, an uns selbst. Meine wichtigste persönliche Botschaft ist: Kauf dir doch auch mal eine CD, die nicht in dem Regal zu finden ist, wo du sonst immer automatisch hingehst. Wie viel gute Musik entgeht uns denn auf diese Weise? Also: Öffne dich!
Orkus: Meint ihr, Musik kann in unserer schnelllebigen Zeit überhaupt noch etwas bewirken und die von euch gewollten Geister wecken?
Felix: Ich bin fest davon überzeugt. Meiner Meinung nach gibt es so viele Musiker, die durch ihre Musik den Mitmenschen etwas Dauerhaftes vermitteln können. Das Problem wird darin liegen, dass sie keine Chance bekommen, ihre Message zu verbreiten.
Orkus: Gut wie viele Musiker benutzen ihre Musik aber nur zum Kohlemachen...
Torben: Ich finde es unfair, dass es ernsthafte Musiker, die mit ihrer Musik etwas bewegen und aussagen wollen, oft dermaßen schwer haben, sich über Wasser zu halten, während es sich ein Herr Bohlen aussuchen kann, mit welchem Ferrari er morgens zum Bäcker fährt. Da ist kein Verhältnis mehr, keine Ausgewogenheit. Einerseits ist es schwierig, kommerziellen Erfolg mit alternativer Musik in Einklang zu bringen, da sich die beiden Begriffe ja irgendwie ausschließen. Andererseits braucht auch der alternative Musiker seine Wurst aufs Brot. Die Abstimmung ist eine Gratwanderung, eine sorgfältige Balance. Auf der einen Seite sollte man es Künstlern nicht übel nehmen, wenn sie durch ihr Handwerk auch Geld verdienen. Warum sollten sie die einzige Berufsgruppe sein, der das verwehrt bleibt? Auf der anderen Seite sollten sich Künstler nicht vom Geld blenden und verändern lassen - dieses System hat sich paradox entwickelt. Das Patentrezept für kommerziellen Erfolg scheint das Zurückschrauben des künstlerischen Anspruchs auf den kleinsten gemeinsamen Nenner zu sein. Eine Unverhältnismäßigkeit, die konstant dafür sorgt, dass wir diese abscheulichen Entwicklungen in der Populärmusik haben. Im Gegensatz zu den Liedlein Dieter Bohlens vermitteln die Kompositionen von Diorama emotionalen und geistigen Tiefgang. Und wenn die drei auch ihre Brötchen mit dem Fahrrad holen und sich zum Reisen keinen Ferrari leisten können, so sind sie doch demnächst auf Tour zu bewundern.
interview: Peter Sailer & diorama [torben wendt]
foto: silke jochum
quelle magazin-interview: Orkus - November 2002
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