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Nuuc: Hallo Torben. Wie ist das werte Befinden nach dem Erscheinen der CD?
Torben: ich bin müde und genervt. ansonsten geht es mir sehr gut.
Nc: Ist alles so gelaufen, wie du es dir vorgestellt hast?
Twn: mit dem endergebnis bin ich hochzufrieden, aber die finale produktionsphase der neuen scheibe wurde von unglaublichen technischen und organisatorischen problemen getrübt, deren bewältigung uns die grenzen dessen aufgezeigt hat, was physisch und psychisch tragbar ist. teilweise wußte ich nicht mehr, wie ich heiße. das mußte ich dann immer auf der homepage nachlesen. wir hoffen, beim nächsten album wird alles etwas reibungsloser und entspannter laufen. eine aufnahmesession in der karibik wäre nicht schlecht. wir sind noch am überlegen, bernard will nach jamaica.
Nc: Deine neue CD trägt einen sehr ungewöhnlichen Titel. Was will Diorama damit aussagen?
Twn: der titel steht als oberbegriff für unser musikalisches schaffen im zurückliegenden jahr. die für uns neue konstellation mit live-bassisten und die stärkere bandorientierung hat uns auf eine musikalische reise geschickt, deren verlauf sich irgendwann verselbstständigt hat. da wir ziemlich konzeptlos an die ganze sache rangegangen sind, waren wir teilweise selbst überrascht von den hörbaren ergebnissen und erlebten oft zustände der euphorie, wenn ein song nach und nach gestalt angenommen hat. das musikmachen hatte für uns alle einen unglaublichen stellenwert, unser studio war in einer von umbrüchen und turbulenzen geprägten zeit ein gegenpol, ein ort, an dem die realität für eine weile ausgeblendet werden konnte. der titel soll eine hommage an die musik sein, an all das, was man zurückbekommt, wenn man sein innenleben in töne und worte fließen läßt.
Nc: Das neue Album wirkt tanzbarer als noch der Vorgänger. Wolltet ihr bewusst auf mehr Tanzbarkeit setzen?
Twn: nein, tanzbarkeit ist für uns keine oberste maxime. im übrigen kann ich diesen eindruck nur begrenzt teilen. die balladesquen elemene sind mindestens in gleichem maße vertreten, wie die beatbetonten.
Nc: Das Debüt "Pale" unterscheidet sich musikalisch völlig vom Vorgänger "Her liquid Arms" oder eben "The Art of...". Wie ist es zu dieser 180 Grad Drehung gekommen?
Twn: die weiterentwicklung basiert auf verbesserten technischen umsetzungs- möglichkeiten und dem wandel der eigenen geschmacklichen ausrichtung, bei der neuen scheibe zudem auf der zusammenführung unter- schiedlicher musikalischer präferenzen, d.h. crossover, 80er sound und progressiven electronic beats. naja, wäre es nicht langweilig, immer den gleichen sound zu machen? den roten faden finde ich trotzdem auf jeden fall nachvollziehbar. wir machen doch nicht auf einmal südstaatencountry.
Nc: Auffallend ist, dass ihr dieses mal keine deutschsprachige Ballade wie "das Meer" auf der CD habt, dafür aber bei "Klarheit" nur mit einzelnen deutschen Wörtern gearbeitet habt. Warum ist die deutsche Sprache diesmal weniger involviert?
Twn: es war nie unser plan, jede cd mit einer deutschsprachigen ballade zu versehen. entweder es ergibt sich, oder es ergibt sich nicht.
Nc: Wie bei "Photo" aus dem Vorgänger Album ist wieder ein englischer Song zu hören, der von einem deutschen Sprachsample umrahmt ist. Hat dieses Stilmittel eine besondere Intention?
Twn: diese vermischung von sprachen finden wir schon interessant. der hauptgrund für die intro-outro umrahmung liegt wahrscheinlich in einer art erklärungsfunktion der samples, unabhängig von der sprache. wie man aber sieht muß ich mich bei solchen fragen als ziemlich schlechter interview-partner outen. es gibt auf der künstlerischen ebene keine konkreten vorab-überlegungen, die ich hier schildern könnte. ich weiß es schlicht nicht, warum dieses oder jenes stilmittel verwendung findet oder warum wir mal mehr deutsch, mal weniger im gepäck haben. es wäre müßig, mir fieberhaft einen fundamentierbaren grund zurechtzulegen. ich könnte dir genausowenig beantworten, warum ich gerne rotwein trinke oder die farbe blau mag. wenn sich die kompositionen in die ein oder andere richtung entfalten und das gesamtbild stimmig ist, scheint alles irgendwie seinen sinn zu haben.
Nc: Mittlerweile ist Diorama zum Trio angewachsen. Wie wirkt sich das auf die Arbeit an den Stücken aus. Stichwort: Zu viele Köche etc. J ?
Twn: viele stücke der neuen scheibe sind gemeinschaftsproduktionen, bei denen jeder mit seinen mitteln bzw. seinem instrument dem endergebnis einen eigenen touch verliehen hat. für die texte und die basiskompositionen bin ich nach wie vor maßgebend, wobei wir die ausrichtung, arrangierung und produktion als band gestalten. zu viele köche. ja. was soll ich da sagen? so gigantisch ist die zahl 3 nun auch wieder nicht. das album ist jedenfalls kein einheitsbrei geworden.
Nc: Seit dem Beginn von Diorama werden immer wieder Parallelen zu Diary of Dreams gezogen. Beeinflusst dich die Arbeit von Adrian Hates bzw. steht ihr im künstlerischen Austausch?
Twn: das stimmt. es scheint unmöglich zu sein, in einem interview nicht darauf einzugehen. wir stehen in regem freundschaftlichem und künstlerischem austausch. bei den letzten beiden diary-platten habe ich ein wenig mitgewirkt und natürlich sprechen wir auch über unsere produktionen. wir haben beide großen respekt vor der arbeit und arbeitsweise des jeweils anderen, ohne uns aber direkt einzumischen oder uns daran anzulehnen.
Nc: Gibt es einen Song, den du besonders magst auf der neuen Platte? Wenn ja warum?
Twn: da kann ich keinen einzelnen song herausgreifen. das ändert sich täglich.
Nc: Ihr seid ja auf Tournee mit Diary of Dreams zusammen. Was erwartet denn den Zuschauer?
Twn: wir haben eine mischung aus alten und neuen liedern im programm in insgesamt eher rhythmischer ausrichtung. die zuschauer erwartet eine band, die auf der bühne ihr bestes geben wird, atmosphärisch-grooviger sound, mehrstimmiger gesang und ein bassist, der mit sehr schwer zu spielenden bassläufen glänzt.
interview: Nuuc & diorama [Torben Wendt]
foto: silke jochum
quelle online Interview: elektrauma.com - 2002
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