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Eier, klingt aber fehlerfrei, klar und kontrolliert. Letztendlich geht es jedoch nicht darum, was besser oder schlechter funktioniert, sondern welche Herangehenswaise sich für welche Art von Produktion als förderlich herausstellt. Darüber hinaus darf man nicht vergessen, dass am Ende der Kette, zumindest gegenwärtig, stets das Presswerk steht; spätestens auf CD findet sich also alles in der digitalen Welt wieder. Für "amaroid" jedenfalls hielt ich den Einfluss veralteter analoger Technik für reizvoll und für eine Abwechslung zum wiederholten Einsatz der üblichen plug-in Verdächtigen, wodurch vor allem Lebendigkeit und Dynamik in die Produktion einfließen sollte.
a: Als Beispiel sei mal das harmonische "helmets down" genannt. Ein Song der eine gefühlvolle Ruhe ausstrahlt. Kannst du etwas mehr über den Song und dessen Sinn erzählen?
twn: "helmets down" vertont einen an einen selbst geschriebenen Brief. Angesprochen wird ein imaginärer Bruder, von dem man sich so weit entfernt hat, dass man ihm in Zeiten des Kriegs (Krieg als Symbol für das Scheitern in Interaktion und Zwischenmenschlichkeit) nicht mehr zur Hilfe eilen und zur Seite stehen kann. Und trotzdem ist das Schicksal des Adressierten und des Distanzierten untrennbar miteinander verknüpft und sie gehen gemeinsam unter. Der Song spielt darauf an, einen Teil seiner selbst vorzuschicken und ihn die Anforderungen des Lebens übernehmen zu lassen, während der andere Teil sich zurückzieht und denkt, denkt, denkt.
a: Er dient im Endeffekt auch als perfektes Beispiel für deinen variablen Gesang, weil deine Stimme im folgenden "friends we used to know" phonetisch und von der Stimmlage her ganz anders klingt. Wie würdest du diese unterschiedlichen Stimmbandvibrationen beschreiben und inwiefern haben sie mit der Soundstruktur des jeweiligen Songs zu tun?
twn: Mhh, keine Ahnung. Es mag komisch klingen, aber ich singe meistens einfach drauf los.
a: Gibt es ein Konzept, evtl. einen roten Faden, der sich durch das Album zieht?
twn: Alle Songs sind der Erschließung der inneren Leere verschrieben, jeder auf seine Weise. Diese thematische Abgrenzung lässt das Album durchaus als ein homogenes Gesamtwerk erscheinen, obgleich die Gestaltung der Songs, wie von dir beschrieben, zum Teil sehr unterschiedliche Formen angenommen hat.
a: Nach "Das Meer" und "Klarheit" gibt es mit "unzerstört" das dritte in deutsch gesungene Stück. Erneut ist es sehr getragen dargebracht, hast du auch mal Gedanken, deine wütende Seite auf Deutsch zu präsentieren?
twn: Als Klischee-Allergiker tue ich mich mit deutschen Texten im Allgemeinen etwas schwer. Abgesehen davon zwinge ich den Songs sozusagen nicht ihre Sprache auf, sondern überlasse das der entsprechenden Inspiration. Wenn mir eines Tages eine etwas harschere Nummer in deutscher Sprache in den Sinn kommt, dann habe ich sicher nichts dagegen.
a: Du warst in der Vergangenheit längere Zeit in Kanada und auch ein halbes Jahr in Spanien, bist aber immer wieder nach Reutlingen zurückgekehrt. Welches Gefühl würdest du als stärker bezeichnen, das Fernweh oder das Heimweh?
twn: Da es mich immer wieder nach Reutlingen gezogen hat, ist das Heimweh vermutlich stärker. Ich bin mit der Balance ganz zufrieden, mich in meiner Heimat verwurzelt zu fühlen und gleichzeitig die Möglichkeit in Anspruch nehmen zu können, viel unterwegs zu sein und die Welt zu entdecken, ob über die Musik oder als Rucksackreisender.
a: Viele Musiker schämen sich für vergangene Werke, kannst du dir heute noch das Pale Album zu Gemüte führen ohne zu sinnieren, was hätte besser gemacht werden können?
twn: Ehrlich gesagt fällt es mir schwer, meine frühen Werke zu hören, ohne dass sich Optimierungsansätze aufdrängen. Dennoch empfinde ich keine Scham, sondern eher Stolz, aus eigener Kraft auf meinetwegen nicht makellose, aber auf aufrichtige und individuelle Weise meinen musikalischen Traum begonnen zu haben.
a: Hast du eigentlich dein Studium zu Ende gebracht und was sind deine Wünsche für die Zukunft, sowohl privat wie künstlerisch?
twn: Mein Studium habe ich letzten Juli zu ende gebracht. Seitdem widme ich mich ausschließlich der Musik und wünsche mir, mir in diesem Umfeld eine Existenz aufbauen zu können.
interview: andreas & diorama [Torben Wendt]
fotos: silke jochum
quelle online Interview: ambross-mag.de - 2005
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