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torben wendt: Die Produktion von "Amaroid" hat meine Kräfte und meinen Alltag so in Beschlag genommen, dass, nachdem die letzte Note fertig gemastert war, vor Erschöpfung und Leere mindestens eine Woche lang kaum Freude über das Erreichte aufkommen konnte. Irgendwann, einige Gin Tonics später, kam so langsam das Realisieren und Nachvorneschauen. Wirklich begriffen, was ich diese ganzen Monate eigentlich veranstaltet habe, habe ich erst, als die ersten Belegexemplare bei mit eingetrudelt sind. Ein neues Album frisch aus dem Presswerk in der Hand zu halten, ist immer ein berauschender Moment, vor allem wenn Musik und Grafik so geworden sind, wie man sich es vorgestellt bzw. erhofft hat. Mittlerweile ist das Kind ja bereits auf dem Markt aufgeschlagen und ich bin froh und stolz, dass es uns geglückt ist, unsere musikalische Reise in dieser kompromisslosen Form fortzuführen.
tt: Zum Vorgänger "The Art Of Creating Confusing Spirits" waren die Aufnahmen sehr nervenaufreibend, wie man lesen konnte. Ging es beim neuen Album entspannter vonstatten oder ist Stress ein Faktor der immer mitspielen wird und sich nicht beseitigen lässt?
twn: Es scheint, dass der Stress, der uns wirklich bei allen bisherigen Alben begleitet hat, ein nicht abstellbarer Pflichtfaktor ist. Wie schon bei den Vorgängeralben hatten wir bei "Amaroid" mit den absurdesten technischen Schwierigkeiten zu kämpfen; Geräte, die nach jahrelanger einwandfreier Funktionstüchtigkeit auf einmal ihren Geist aufgeben, nicht zuzuordnende Störgeräusche, Computerabstürze etc. Technik kann ihre eigene bösartige Seele entwickeln und dich an den Rand des Wahnsinns bringen. Es ist herrlich. Hinzu kam, dass wir dieses Album aus verschiedenen Gründen auf rein analoger Basis produzieren wollten, was zur Folge hatte, dass wir verschiedene externe Studios ausprobieren und nutzen mussten. Damit war ein erheblicher Zeit- und Geldaufwand verbunden, der diese Herangehensweiße mittendrin fast scheitern ließ und sich dazu in einer nicht zu akzeptierenden Form auf mein Privatleben ausgewirkt hat.
tt: Perfektionismus scheint bei Diorama ein großer Bestandteil zu sein, bei dem mit viel Liebe zu Detail darauf geachtet wird, dass alles sehr stimmig wirkt und dies nicht nur im musikalischem Gesichtspunkt. Gibt es so etwas wie hundertprozentige Zufriedenheit überhaupt oder findet man rückblickend immer noch Kleinigkeiten, was man dann doch gerne noch anders umgesetzt sehen würde?
twn: Das sieht wahrscheinlich jeder Künstler ein wenig anders. Für mich gibt es keine hundertprozentige Perfektion trotz perfektionistischem Vorgehen. Im Grunde bleibt nichts anderes übrig als der Versuch, zu einer gegebenen Zeit mit den zur verfügung stehenden Mitteln sein bestes zu geben. Dadurch ist keinesfalls garantiert, dass sich nicht zu einem späteren Zeitpunkt Aspekte herauskristallisieren, die man in der Zwischenzeit anders gestalten würde. "Pale" ist rückblickend sicher an vielen stellen optimierungsfähig, war aber in anbetracht meiner damaligen technischen und finanziellen Ressourcen ein absolut zufriedenstellendes Ergebnis. Das Wichtigste ist, dass man ein positives Verhältnis zu seinen Werken behält und dass sich nicht der Eindruck einstellt, man hätte Fehler begangen. Alles andere wäre reine Illusion. Wie gesagt, eine allumfassende Richtigkeit des Ergebnisses unabhängig vom Umfeld des Hörerlebnisses, von der eigenen Tagesform, vom Gemütszustand etc. ist wohl nicht erzielbar.
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