Elektronische Musik -
Zwischen Faszination und Stagnation

Seit Anbeginn ihres Siegeszuges war elektronische Musik stets Veränderungen ausgesetzt und hat sich weiterentwickelt wie kein zweites Genre. Zu den verschiedensten Unterformen, welche es in der elektronischen Musik gibt, brachen immer wieder neue Stile auf, wurden umbenannt, aus einer Mixtur anderer Spielarten fusioniert oder gar wieder neu entdeckt und an die Oberfläche befördert. Auch Jahrzehnte nachdem die ersten Synthesizersongs von der breiten Masse akzeptiert wurden und kommerzielle Erfolge feierten, finden immer noch Menschen Freude an dieser Musik, egal ob sie sich komplex und verschachtelt, minimalistisch-kühl oder sehr warm und sphärisch zeigt.

So wurden und werden immer noch die großen und kleinen Bands von damals zum Einfluss vieler nachfolgenden Formationen, welche vielleicht wiederum zur Inspirationsquelle späterer Generationen werden, welche genauso die Faszination an elektronischer Musik für sich entdecken werden, wie viele andere zuvor.

Und so oft ein Ei dem anderen gleicht, schon so oft musikalischen Bereichen der Tod vorausgesagt wurde, passiert es gar nicht mal so selten, dass sich Bands mit so viel Liebe und der gewissen Portion Eigenständigkeit in diesem Genre bewegen, dass es sogar Künstlern, die sich schon lange mit elektronischer Musik auseinandersetzen, ein leichtes Unterfangen ist, einfach nur den Part des Zuhörers einzunehmen.

Diese Umfrage soll dabei einen kleinen Einblick geben, wie Musiker, Labelbetreiber, DJ's und Musik-Journalisten den aktuellen Stand der elektronischen Musik und die Zukunft dieser breitgefächerten Musiksparte beurteilen und vielleicht sogar etwas von der eigenen Faszination und Begeisterung dafür anderen Menschen mitgeben.
 

Notizen zu den teilnehmenden Personen:

Daniel Myer:

Musikalischer Kopf von haujobb, Architect & Destroid.
www.planetmyer.de

Dirk Hoffmann:
Tätig für eines der größten Szene-Musikmagazine, das Zillo.
www.zillo.de

Frank Spinath:
Sänger der deutschen Formation Seabound.
www.seabound.de

Ion Javelin:
Mit Talla 2XLC einst Moskwa TV. Heute solo aktiv und Kollaberationen (Javelin/Löwy, In Strict Confidence).
www.ionjavelin.de

Julia Beyer:
Freie Redakteurin beim Sonic Seducer, sowie Sängerin der Band Technoir und ehemals Eternal Afflict.
www.sonic-seducer.de, www.technoir.de

Lorenz Macke:
Label Synthetic Product Records, Epopland & 15 Jahre De/Vision Managment.
www.epopland.de

Markus A. Müller:
DJ und Eventveranstalter aus Leipzig.
www.sandiego-music.de

Torben Schmidt:
Das Label Infacted-Recordings, sowie Bands / Projekte wie Lights Of Euphoria & Enfusion.
www.infacted-recordings.de, www.lightsofeuphoria.de

Torben Wendt:
Kreativer Kopf von Diorama.
www.diorama-music.com


1. Wann bist du das erste Mal mit elektronischer Musik in Berührung gekommen?
 

Frank Spinath: Ein Musiklehrer hat uns Ende der 70er Mussorgskys "Bilder einer Ausstellung" vorgestellt, und zwar in einer klassischen Orchesterversion, dann die Rockfassung von Emerson, Lake & Palmer (1971) und schließlich eine Aufnahme von Isao Tomita, einem japanischen Musiker und Komponisten, der 1975 eine Synthesizer-Fassung davon heraus gebracht hat. Ich erinnere mich gut, dass mir bei jedem einzelnen Stück die elektronische Version um Längen besser gefiel als die Vergleichsfassungen. Am faszinierendsten fand ich damals, welche Ausdruckskraft in diesen schier endlosen elektronischen Klanglandschaften steckte.

Lorenz Macke: 1978 durch Kraftwerk, jemand legte bei einer Klassenparty "Autobahn" ein (welches schon '75 erschien), gefolgt von "Trans Europa Express".

Ion Javelin: Anfang '80.

Dirk Hoffmann: Da ich in den 80ern aufgewachsen bin, hat mich zunächst die New-Romantic- und Synth-Pop-Musik "elektrisiert" - also ab 1983 habe ich angefangen, Bands wie Depeche Mode, Ultravox, A Flock Of Seagulls, Blancemange, Boytronic, The Human League, Heaven 17, Icehouse und Wang Chung zu hören, dann kamen aber schnell die experimentelleren Sachen von Skinny Puppy, Cabaret Voltaire, Einstürzende Neubauten, Coil und SPK dazu.

Daniel Myer: Das war so ca. 1984. Da war ich mit meinen Eltern im Ungarnurlaub und habe mir ein Tape gekauft. Ich war 13 Jahre alt. Das Tape war von einer Band namens Depeche Mode und es war das Album "Some Great Reward".

Julia Beyer: Meine erste Erinnerung daran, mich für elektronische Musik begeistert zu haben, liegt ziemlich lange zurück, das war "You Spin Me Round" von Dead Or Alive. Da war ich vermutlich ca. 8 Jahre alt... richtig bewusst habe ich mich aber erst mit 18, 19 Jahren mit Electro beschäftigt und zu dieser Zeit dann auch in meiner ersten rein elektronischen Band gesungen. Als der Keyboarder dann einen Gitarristen hinzu nehmen wollte, bin ich ausgestiegen...

Markus A. Müller: Das wird wohl so 1987/88 gewesen sein. Das waren Künstler und Bands wie Tangerine Dream, Tomita, Vangelis, Depeche Mode, Yello, Art Of Noise, A-Ha, und Erasure.

Torben Schmidt: Bei mir hat alles sehr traditionell angefangen, mit Yello, New Order (erstes Album), sowie dem Frankfurter Sound der Labels Westside, ZYX, Bellaphone etc...

Torben Wendt: Ende 1985 waren meine Grundschulklasse und ich davon überzeugt, mit A-ha den Sinn allen Daseins gefunden zu haben. Das war glaube ich die Zeit, in der ich begonnen habe, elektronische Musik differenziert als solche wahrzunehmen.


 2. Was fasziniert dich noch heute an elektronischen Klanglandschaften?
 

Torben Wendt: Vom Standpunkt des Schaffenden, die unbegrenzten Möglichkeiten. Elektronische Musik kann in allen denkbaren Stimmungen und Gangarten stattfinden und fügt sich ggf. extrem flexibel in ein Gesamtbild zu analogen Einflüssen und natürlichen Instrumenten. Der eigenen Kreativität, sofern man elektronische Sounds als künstlerisches Vehikel für sich entdecken kann, ist dadurch so gut wie kein Limit gesetzt. Aus einem etwas philosophisierten Blickwinkel fasziniert, ebenso die Wechselwirkung zwischen Mensch und Maschine, die durchaus nicht einseitig ist - die Energie, die erst durch die Kombination aus menschlichem Bewusstsein und in Bahnen gelenkter Rechenleistung entsteht, die Symbiose von Empfinden und Mathematik. Für mich persönlich liegt ein großer Vorteil der Elektronik im organisatorischen Komfort,

nicht auf Band, Orchester oder Chor angewiesen zu sein, um vielschichtige Produktionen realisieren zu können.
Die Faszination beim Zuhören hängt maßgeblich von der Richtung und der jeweiligen Situation ab. Natürlich ist es eine ganz unterschiedliche Erfahrung, im Club hüftschwingend eine laute, rhythmische Nummer zu hören oder auf der heimischen Couch eine Ambient-CD. Beides ist elektronisch und beides kann faszinieren. Die Faszination kommt wohl am ehesten von der Stimmung, dem emotionalen Impetus, den die Musik erzeugt oder dem treffen und potenzieren der bereits bestehenden Grundstimmung. Das hängt aber nicht an den Begriffen elektronisch und nicht-elektronisch. Auch im Detail kann ich mich grundsätzlich von elektronischen klangbestandsteilen genauso begeistern lassen, wie von natürlichen.

Dirk Hoffmann: Die elektronische Musik ist das sicher vielschichtigste musikalische Betätigungsfeld. Elektronische Instrumente ermöglichen nicht nur die recht genaue Imitation jedes anderen akustischen Instruments, sondern bieten unendliche Experimentierräume für neue Sounds und nahezu sämtliche Crossover-Ambitionen. Moderne Tanzmusik lässt sich gar nicht mehr ohne den Einsatz elektronischer Mittel denken. Gleiches gilt für Genres wie Ambient, TripHop, Drum'n'Bass, Lounge etc., deren grundlegender Charakter gerade auf elektronisch generierten Grooves und Atmosphären beruht. Und Filmkomponisten wie Graeme Revell, Hans Zimmer und James Newton Howard haben zum Beispiel auch dem traditionellen Hollywood-Sound entscheidend neue Impulse verliehen.

Torben Schmidt: Den Facettenreichtum, die unendlichen Möglichkeiten, das Klangspektrum und die Moderne. Elektronische Sounds sind frisch, meiner Meinung nach auch unverbraucht und spiegeln unsere Technokratische Gesellschaft ganz gut wieder, Musik die fasziniert.

Lorenz Macke: Die Variationen, der Sound.

Frank Spinath: Ein Element ist eben diese Vielfalt. Andererseits kann ich nicht verhehlen, dass elektronische Musik für mich Kraft vermittelt. Nichts entwickelt für mich einen vergleichbaren Druck wie ein gut programmierter Synthbass(lauf) und ein entsprechendes Gerüst aus (elektrischem) Schlagwerk. Für mich waren Front 242 ebenso wie Skinny Puppy oder Front Line Assembly in dieser Hinsicht regelrechte Offenbarungen. Heute reizt mich die Musik einer elektronischen Band vor allem dann, wenn Komposition, eigener Sound, gutes Programming und - wenn ich mir schon meine eigene Wunschkombination zusammenbauen kann - die Paarung aus interessanter Stimme und ausdrucksstarken Lyrics zusammen kommen.

Markus A. Müller: Es muss wohl an der Klangfarbe liegen. Am breiten Spektrum elektronischer Klangerzeugung. Diese scheinbare Unendlichkeit verschiedenste Klänge, Sounds, Geräusche erzeugen zu können, die aus Maschinen kommen und dennoch etwas sehr lebendiges haben können.

Ion Javelin: Die enorme potentielle Ausdrucksvielfalt; elektronische Musik kann akustische selbstredend nicht ersetzen (und sollte dies auch nie anstreben); dies gilt jedoch ebenso umgekehrt. Elektronische Sounds - welcher Art auch immer - schaffen eine Klangwelt, die durch akustische (auch elektrisch verstärkte) Instrumente schlicht nicht zu erzeugen ist; allein in dieser Tatsache liegt bereits eine ausreichende Existenzberechtigung für elektronische Musik im Allgemeinen. Hinzu kommt als nahezu ebenso zentraler Gesichtspunkt, dass die heutzutage fast durchgängige Erarbeitungsmethode im elektronischen Bereich - die Produktion Mithilfe von Programmen und Computern - oft wiederum sehr starken Einfluss auf das musikalische Ergebnis hat, wenn auch aus meiner Sicht nicht immer zu dessen Vorteil, was jedoch - Datenverluste, Inkompatibilitäten, Abstürze und ewiges nerviges Updaten einmal außer Acht gelassen - nicht an der Technik liegt, sondern an denen, die sie sich 'zunutze' machen.

Julia Beyer: Das ist wirklich schwer in Worte zu fassen. Meiner Meinung nach ist die Gitarre als Instrument zwar auch sehr vielseitig, die Elektronik bietet aber viel mehr Möglichkeiten, gewisse und unterschiedlichere Stimmungen zu erzeugen. Als ich das erste Mal so richtig auf den Instrumentalpart in "Personal Jesus" von Depeche Mode gehört habe, in dem ein wenig mit einem Filter an einem Sound herumgespielt wurde, war es wohl um mich geschehen. Das ist für mich eine reine Gefühlssache, vielleicht "verstehe" ich elektronische Musik einfach besser als Gitarrenmusik.

Daniel Myer: Mich fasziniert Musik im Allgemeinen. An elektronischer Musik fasziniert mich, dass man so viel Neues aus Altbekanntem machen kann. Erst heute morgen habe ich eine CD von einem Freund bekommen, der Samples von mir für seine Musik benutzt hat. Was er daraus gemacht hat, hat mich inspiriert und mich auf neue Ideen gebracht.


3. Wie schätzt du die Entwicklung der elektronischen Musik in den letzten fünf Jahren ein?
 

Dirk Hoffmann: Es scheint in der rein künstlerischen Dimension wenig Neues zu passieren. Neuerungen zeigen sich eher in technologischer Hinsicht, während junge wie gestandene Electro-Acts eher an der Manifestierung des Status Quo zu arbeiten scheinen. Da werden vor allem Retro-Bewegungen prominent, die Suche nach verborgenen Schätzen aus der Vergangenheit, weil sich kaum noch jemand die Mühe zu machen scheint, neue Stilelemente zu entwickeln. Dieses Bemühen beschränkt sich eher auch jedwede Verknüpfung aller vorhandenen Musikgenres, und die Möglichkeiten der elektronischen Musikgestaltung setzen da auch keine Grenzen. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich in den letzten fünf Jahren eine wirklich INNOVATIVE Electro-Platte gehört hätte - interessante sicherlich, aber wirklich neu ... Ne, eher nicht.
 

Frank Spinath: Ich finde es bezeichnend, wie sehr die Szene (und da bin ich selbst überhaupt keine Ausnahme) auf "Altbewährtes" zurückgreift. Ich glaube nicht, dass das lediglich Ausdruck purer Sentimentaliät oder mangelnder Offenheit auf Seiten der Zuhörer ist. Ich glaube, dass zahlreiche Elektroprojekte heute Gefahr laufen, sich zu sehr an lieb gewonnenen Vorbildern zu orientieren und dabei das Individuelle in der eigenen Musik zu vergessen. Es ist völlig legitim und auch begrüßenswert, wenn die Musik einer bestimmten Band jemanden motiviert, selbst Musik zu machen. Wenn jedoch das einzige an "Entwicklung", was in der Zwischenzeit passiert ist, die Güte der Preset-Sounds der Klangerzeuger ist, die der "moderne" Musiker verwendet, dann fehlt das Entscheidende, was ein Musikprojekt in meinen Augen braucht: Authentizität und Innovation! Eine Textzeile vom letzten And One Album "Aggressor" bringt das für mich auf den Punkt: "Eure Maschinen spiel'n zwar in Stereo, doch...". Das allein gibt einem Musikprojekt eben noch keine Identität. Für eine Band wie beispielsweise die frühen Human League gab es kein Vorbild, das sie in dieser Weise hätten kopieren können; das macht den Sound so mancher Band aus den ausgehenden 70er und beginnenden 80er Jahren so einmalig.

Ion Javelin: Ich bin weder Musikkritiker noch häufiger Konzertgänger und habe daher nur einen sehr selektiven, begrenzten Einblick in das, was sich bei den Neuerscheinungen tut, zumal mich bestimmte Sparten innerhalb der elektronischen Musik wie rein auf die Diskotheken zugeschnittener Techno oder House so gut wie nicht interessieren. Ich vermute, dass zwar einige interessante elektronische Bands bzw. Projekte existieren, die eigene Wege suchen bzw. gehen, oft aber nur in kleinen Rezipienten-Zirkeln kursieren, eben weil sie nicht wirklich in eine der vorgegebenen Kategorien passen, bisher jedoch auch nicht 'den Durchbruch' geschafft haben oder einfach noch nicht so lange am Start sind. Vieles, was ich an rein oder fast rein elektronischer Musik während der letzten Jahre zu hören bekommen habe, empfand ich als zu eintönig, zu einfallslos, zu unmusikalisch.

Torben Schmidt: Also ich persönlich finde die Entwicklung so ausgeprägt wie nie zuvor. Viele gute neue Sachen kommen auf den Markt, natürlich auch viel Mist, aber das ist natürlich Genreübergreifend. Ich kreide negativ an, dass für alles eine Schublade aufgemacht werden muss und dass sich viel Fans sehr verbohrt verhalten, was "unsere" Musik im Allgemeinen angeht. Futurepopper hören Futurepop, EBM Heads nur Oldschool, Skinny Puppy Fans nur "echten Electro" etc.; das nervt!

Lorenz Macke: Was ich schon seit zehn Jahren sage: Es gibt nur neue Kombinationen. Interessant hierbei Projekte, wobei mir grade Timo Maas mit Placebo sehr gefällt.

Julia Beyer: Ich könnte nicht behaupten, dass elektronische Musik vor fünf Jahren besser oder schlechter war als jetzt. Es wird durch Softwaresynthesizer bloß immer einfacher, selbst Musik zu produzieren, was Vor- und Nachteile haben kann... Musik entwickelt sich natürlich marktgemäß auch immer in die Richtung, die vom Hörer gewünscht wird, und da gibt es positive wie negative Entwicklungen. Die ganze elektronische Sparte ist einfach in sich schon so vielfältig, dass es eigentlich für jeden Geschmack die "richtige" elektronische Spielart gibt, manche sind eben bloß beliebter als andere, was leider überhaupt nichts über die Qualität der Musik aussagt. Es wird immer Bands geben, die sich mit wenig Qualität trotzdem schnell eine große Fangemeinde schaffen können, und irgendwas müssen sie demzufolge anscheinend richtig machen - wohingegen einige musikalisch wirklich interessante Bands oft untergehen - Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel. Generell ist meiner Meinung nach zu beobachten, dass sich die unterschiedlichen Stile immer mehr miteinander vermischen, und daraus entwickelt sich wieder Neues - eine ziemlich natürliche Entwicklung, oder? So wie es vor kurzem Futurepop war und jetzt "Techno-EBM" ist, was das große Ding ist, wird es in ein paar Jahren wieder etwas anderes sein - die Grenzen sind eben fließend, und das ist auch gut so, durch neue Einflüsse entsteht Fortschritt. Welcher Künstler kann schon behaupten, etwas komplett frei von äußeren Umständen geschaffen zu haben?

Torben Wendt: Wie in den meisten anderen Genres hat eine enorme stilistische Atomisierung stattgefunden und aus der Vernetzung von neuen Strömungen und traditionellen Einflüssen sowie einer gestiegenen Begeisterungsfähigkeit bzw. Toleranz für Cross-Over Projekte, ist ein unüberblickbares Arsenal an verschiedensten Ausprägungen und Richtungen entstanden. Symptom bzw. Resultat dieser Entwicklung sind auch die fließenderen Grenzen zwischen den einzelnen Szene-Gruppierungen. Die Chemical Brothers sind ein gutes Beispiel, in deren Zuhörerkreis findest du jegliche Couleur an Genre-Orientierungen. Im klassischen Techno/Rave-Bereich als ehemals erfolgreichste elektronische Sparte ist man denke ich bereits vor vielen Jahren an seine Grenzen gestoßen und hat das Rezept totgetrampelt. Damit einhergegangen ist nicht nur der Siegeszug der Milliarden Unterkategorien von House, sondern auch eine Rückbesinnung auf die Entdecker- und Experimentierfreude der ganz frühen Tage und im Ergebnis sehr interessante Frickelarbeiten. Als herausragend sind in diesem Zusammenhang die Stilrichtungen Electronic Beats und Nu Jazz anzuführen. Im Gothic-Portfolio hat die Elektronik mittlerweile eine klar dominierende Position eingenommen. Hier ist nach der Adaptierung von puristischen Techno-Elementen, der Etablierung und dem gegenwärtigen langsamen Abklingen des so genannten Future Pop, die sich festigende Tendenz zu hartem Industrial zu beobachten, häufig mit prägnanten Vocal-Samples versehen. Diese Stilrichtung wird wahrscheinlich auch über die nächsten Jahre zumindest auf den Tanzflächen das angesagteste Thema sein, bis die Mühlen der Stupidität auch hier überdehnt sind.

Daniel Myer: Ups... Stagnation auf der einen Seite. Alles wird einfacher, massenkompatibel und langweilig. Auf der anderen Seite gibt es die "Nerds", die immer weiter forschen und neue Sachen entdecken und die Musik nach vorn treiben.

Markus A. Müller: Viele reden von Stillstand und die und die Musik wäre tot. Völliger Blödsinn. Manche Dinge kommen, gehen und kehren früher oder später zurück. Ich denke, in der elektronischen Musik ist ständig Bewegung und Entwicklung. Es gibt Künstler, die sich den Erwartungen der Konsumenten anpassen und andere, die ihren eigenen Weg gehen. Je nachdem, was man mehr verfolgt, kommt man vermutlich zu anderen Sichtweisen der Entwicklung.


4. Was muss elektronische Musik mit sich bringen, um die Neugierde bei dir zu wecken, dich auch weiterhin mit ihr auseinander zu setzen und Interesse hervorzurufen?
 

Julia Beyer: Elektronische Musik muss mich in erster Linie berühren, uninspiriertes 4/4-Gestampfe ohne Verstand und schlechter musikalischer oder produktionstechnischer Umsetzung hat da keine Chance. Das kann ein Groove sein, eine Basslinie, die Stimme oder der Text - wenn ein Song etwas Besonderes hat, passiert es oft, dass ich tagelang nur ein einziges Lied höre. Individualität ist daneben ein ebenfalls nicht zu unterschätzender Faktor... Bands, die einen austauschbaren Sound haben und keinen Wiedererkennungs- wert besitzen, finde ich sehr anstrengend.
 


Frank Spinath: Wie schon gesagt, spricht Musik mich vor allem dann an, wenn gutes Songwriting und ein Sound, der meinem Geschmack entspricht, damit einher gehen, dass eine Band authentisch ist und eine unverwechselbare Identität hat. So erst kürzlich wieder geschehen mit IAmX, dem Projekt von Sneaker Pimps Sänger Chris Corner. Dieses Album vereint all die Dinge, die ich bei guter Musik suche. Und als Hörer von Musik sind solche "Entdeckungen" für mich persönlich etwas Wertvolles und machen einen großen Teil meiner nicht nachlassenden Begeisterung für Musik aus.

Torben Wendt: Das gleiche wie jede andere Form von Musik. Qualität, Innovation, Seele.

Dirk Hoffmann: Also, da ich von vornherein ein elektronisch gepolter Hörer bin, fällt es mir nicht sooo schwer, die Neugierde am Leben zu erhalten. Ich habe ja auch gar nicht mehr den Anspruch, unbedingt etwas Neues entdecken zu müssen, sondern erfreue mich schon an gut gemachter elektronischer Musik. Das ist heutzutage ja nicht unbedingt die Regel. So schön die Demokratisierung innerhalb der Musikproduktion an sich auch ist, fördert sie doch auch das Mittelmaß. Nur weil jeder im Prinzip die Möglichkeit dazu hat, selbst Musik zu machen und sie auch in welcher Form auch immer zu veröffentlichen, heißt das nicht, dass es auch jeder halbwegs gut kann! Aber zum Glück gibt es nach wie vor immer noch interessante Neuentdeckungen oder gute Produktionen etablierter Künstler. Und da macht immer noch Spaß, sich dann mit der Musik auseinanderzusetzen.

Daniel Myer: Entweder gute Songs (wie z.B. bei Mesh) oder neue Ideen und Sounds und Programmiertechnicken (wie z.b Hecq). Am liebsten mag ich aber die Verbindung von guter Produktion und guten Songs. Leider findet man das im Electro Bereich viel zu selten. Aber Alternative/Rock Bands benutzen immer mehr elektronische Elemente, deshalb höre ich auch viel lieber solche Musik (z.B. The Faint, Bright Eyes,...)

Markus A. Müller: Aufgrund meiner Tätigkeit als DJ hab ich schon ein sehr cluborientiertes Hören entwickelt. Am einfachsten erreicht mich also elektronische Musik, wenn sie clubtauglich ist. Aber selbst dann muss sie sich abheben vom Rest, sie muss auf den Punkt kommen und sich auch Zeit nehmen, um eine Atmosphäre zu entwickeln. Eigenständigkeit, Phantasie und Authentizität sind Attribute, mit denen ich Musik verbinde. Sie muss gleichzeitig maschinelle Kälte und menschliche Wärme transportieren können...

Torben Schmidt: Sicher kann man das Rad 2005 nicht neu erfinden, aber es gibt immer wieder Leute, die es verstehen Melodien gut einzusetzen, intelligente Texte zu schreiben, nahezu perfekte Abmischungen zu zaubern. Ich will mich musikalisch im Bereich Elektronik nicht festlegen lassen. Es muss modern sein, gut klingen und für mich, subjektiv tanzbar sein und Spaß machen!

Lorenz Macke: Melodien oder im Extremfall einfach nur fett klingend wie bei Nitzer Ebb / Front 242 (damals).

Ion Javelin: Hier gibt es für mich verschiedene Präferenzen:
1. Sounds können der Hammer sein und natürlich trackprägende Wirkung entfalten, aber in aller Regel reicht ein extraordinärer Sound allein nicht, um mich aufhorchen zu lassen. ENTWEDER sollte vor aller musikalischen Umsetzung zunächst eine tragfähige Komposition vorhanden sein. Eine in sich stimmige Komposition ist stets erkennbar, fast unabhängig davon, in welcher Machart sie daherkommt. Der dramaturgische Aufbau und Ablauf eines Stücks sollte sich also nicht nur über minutenlange Soundsteigerungen auf immer gleichen Primitivo-Akkordfolgen oder über ebenso lang eskalierende Drumrolls etc. definieren, sondern - wie zu Zeiten der Doors, Roxy Music oder Genesis - immer noch primär über musikalische Spannungsbögen, auch innerhalb einzelner Harmoniefolgen, vor allem aber zwischen unterschiedlichen Kompositionsbestandteilen, was, wenn auch nicht zwangsläufig, einen ebenso auskomponierten Gesang nahe legt.
ODER die Ursprungsidee zu einem Stück liegt tatsächlich zunächst nur z.B. in einem Bass- oder Flächensound, der unmittelbar fasziniert: Dann sollte man sich allein damit nicht zufrieden geben, sondern ausgehend von der emotionalen Wirkung dieser 'klangmusikalischen Figur' möglichst nicht nur Sequenzen, sondern vor allem Harmonieabläufe erarbeiten, die eben diese emotionale Richtung unterstützen bzw. gar weiterführen. Meist erst dann nämlich hat man es mit einem wirklich musikalischen 'Thema' zu tun; inwieweit dieses dann auch befriedigend 'abgearbeitet', also ausgeschöpft wurde, steht allerdings auf einem anderen Blatt und ist von Fall zu Fall zu beurteilen.
2. Der zweite große, für mich interessante, Bereich innerhalb der elektronischen Musik ist Ambient / Trance (ohne Techno-Schwerpunkt) / Teile der Chill Out Music; hier erwarte ich nicht unbedingt eine Komposition im eigentlichen Sinne; es reicht die Entfaltung einer puren, kontemplativen (oder selten auch verstörenden) Stimmung, wobei hier die verwendeten Sounds eine umso zentralere Bedeutung erlangen. Wenn der Rezeptionsvorgang solcher Stücke, die ich zu 1. beschrieben habe, vielleicht eher dem eines (falls gesungen wird: geführten) Museumsbesuchs oder Stadtrundgangs entspricht, so gleicht er hinsichtlich der Werke zu 2. mehr demjenigen, der sich während einer verschwiegenen Wanderung durch ein Wattenmeer, eine Wüste oder beim Gleitflug durch den Pferdekopfnebel einstellen würde.


5. Wohin, denkst du, wird der Trend elektronischer Musik gehen?
 

Markus A. Müller: Das ist schwer vorher zu sagen. Es wird viele Trends geben. Wie schon gesagt, Dinge werden kommen, bleiben, gehen und wieder zurückkehren. Und ein paar mutige Musiker, die sich treu bleiben, werden immer wieder neue Impulse geben. Wenn wir diese unterstützen und ebenso Mut aufbringen uns auf ihre Wege einzulassen, dann wird es weiterhin eine lebendige, elektronische Musiklandschaft geben.

Torben Wendt: Stilistische Trends sind in diesem Bereich schwer vorherzusagen. Mit Sicherheit wird versucht werden, den Aufwärtstrend der deutschsprachigen Produktionen auch elektronisch umgesetzt forciert kommerziell zu nutzen. Dies nur nebenbei bemerkt. Ansonsten gehe ich davon aus, dass wir noch eine ganze Weile auf der Stelle treten werden. Die eigene Differenzierung wird weiterhin primär auf der Image-

Ebene stattfinden und viele werden versuchen, bei jedem auflodernden stilistischen Buschfeuer einen Gaul ins Rennen zu schicken. Eine besondere Eigenschaft der elektronischen Musik liegt in der Tatsache, dass ihre Produktion durch den technischen Fortschritt für jedermann zugänglich geworden ist, sprich nur ein Mindestmaß an musikalischer Ausbildung und kreativer Begabung erfordert, was im Grunde okay ist. Das verursacht jedoch einen ungeheuer komplexen und übersättigten Markt, der zu einem großen Anteil aus, ich nenne es mal Hobby-Produktionen besteht, sowie ein Schrumpfen des Bewusstseins für die tatsächliche Qualität der eigenen Werke. Damit meine ich, dass immer mehr Produktionen Zugang zum Hörer verschafft wird, deren künstlerisches Potenzial sich nicht zu erschließen weiß. Außerdem ermöglicht es den Künstlern, wie angedeutet, auf einer einzigen Plattform mehrere unterschiedliche Projekte gleichzeitig zu betreiben und so relativ unmittelbar auf Trends zu reagieren. D.h. ein Trend oder eine neue Idee bekommt dadurch womöglich noch weniger Zeit sich zu entfalten, bis die ersten Nachahmer auf den Plan treten und alles zumüllen. Elektronische Musik wird ebenfalls nicht vom Einfluss der neuen Distributionsformen und des radikal veränderten Hörverhaltens verschont bleiben. Je mehr sich die MP3-Kultur in den Köpfen festigt bzw. die Präferenz für konservativ gekaufte Tonträger auswächst, desto weniger relevant wird die Kunstform Album sein, desto höher wird die Schnelllebigkeit und das Substitutionsrisiko und dadurch in kommerzieller Hinsicht der Zwang, sich am Puls der Zeit zu orientieren, desto schwerer werden es Musiker haben, die die Welt mit unkonventionellen, zunächst unmodernen Ideen bereichern könnten. Plattenfirmen, insbesondere die global Player, werden zudem durch die schwierigen Konsumbedingungen, sagen wir einmal nicht unbedingt darin gestärkt werden, Unkonventionalität zu fördern. Die werden an der Massenverblödungsstrategie festhalten, mit der sie in unbeirrbarer Fröhlichkeit ihr eigenes Grab buddeln. Die Zeiten, in denen Künstler im Sinne ihrer originären Kunst aufgebaut wurden, sind eben vorbei. Und die Independents werden hier schlicht nicht die volle Verantwortung schultern können. Alles in allem sehe ich keine guten Voraussetzungen für revolutionäre Entwicklungen, und so sumpfen wir vor uns hin, werden hier ein bisschen böser, dort ein bisschen lieber, greifen alte Erfolgskonzepte auf und warten, bis einer mal wieder einen großen Wurf landet. Auch wenn sich der Eindruck einstellt, alles sei schon einmal irgendwie, irgendwo da gewesen, ich bin nicht dieser Meinung. Es gibt noch unendlich viel Neuland zu erschließen.

Dirk Hoffmann: Hm, schwierige Frage ... Ich glaube nicht mal, dass es großartig neue Trends geben wird, sondern nur Variationen/Rekreationen bestehender Stilistiken.

Torben Schmidt: Pfeif auf Trends, ich hasse schon alleine das Wort, jedes Jahr bringt wieder einen Trend hervor und wenn er "out" ist, wird eine neue Wortkreation erfunden um irgendwas, was im Grunde immer schon da war, neu zu verpacken.

Daniel Myer: Auf der einen Seite immer songorientierter und radiotauglicher, auf der anderen Seite immer ausgeflippter. Ich werde versuchen beides miteinander zu verbinden. Mal schauen, ob es mir gelingt.

Julia Beyer: Wenn ich das wüsste, würde ich vermutlich so schnell wie möglich ein eigenes Label gründen, aber eine Voraussage zu treffen, ist meiner Meinung nach unmöglich. Ich könnte mir allerdings vorstellen, dass Dance-Elemente, wie schon jetzt, immer mehr Einzug in düstere elektronische Musik halten. Bei manchen Bands ist ja heute schon kaum zu sagen, ob es eine Dance- oder Electropop-Band ist.

Lorenz Macke: Es werden hier und da mehr organische Instrumente / Sounds auftauchen, also Gitarren, Schlagzeug. Wenn du von 100% Electro sprichst, erwarte ich die nächsten Jahre nix neues.

Ion Javelin: Grundsätzlich kann von gesamtgesellschaftlich dominierenden Trends - die sich in der Tendenz in immer rascherer Folge ablösen und heute auch bei weitem nicht mehr die Stärke und Nachhaltigkeit längst vergangener Trends entfalten können - wenn überhaupt, höchstens noch insofern gesprochen werden, als man das Augenmerk ausschließlich auf die kommerziell erfolgreiche Musik legt; und selbst dort zeigt sich - so würde ich vermuten - ein klar uneinheitlicheres Stilgemisch als noch in den 80ern, 70ern oder gar 60ern. Es wäre möglicherweise aufschlussreich, dies einmal zum Gegenstand einer statistischen Untersuchung zu machen.
Jenseits der Chart-Musik, und hierauf dürfte die Frage eher abzielen, herrscht in meinen Augen seit etwa 15 - 20 Jahren jedoch das Neben-, Mit- und Gegeneinander nahezu aller in der U-Musik existierenden Richtungen. Dies wird auch so bleiben, da es mittlerweile einfach zu viele gibt - gerade im Bereich der elektronischen Musik -, die sich berufen fühlen und es sich auch leisten können, Tracks zu ersinnen, zu produzieren und zu vertreiben. Insbesondere bei elektronischer Musik wird auch in Zukunft - relativ unabhängig von der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Weiterentwicklung der in der elektronischen Musik federführenden Länder - das Chaosprinzip herrschen, eine weitgehende Unübersichtlichkeit, was ja auch gut und schön ist, wenn auch gleichzeitig der Anteil wahren Schrotts oder zumindest nicht unbedingt notwendigen Materials an der Masse der Neuerscheinungen stetig zugenommen hat bzw. evtl. sogar noch zunehmen wird. Merke: Wer einen Computer oder Plattenteller bedienen kann, ist deshalb noch nicht wirklich einer, der Musik machen kann ... Ich glaube also nicht - ob in den Charts oder außerhalb -, dass sich auf dem Musikmarkt in näherer Zukunft irgendetwas ereignen wird, was das Etikett 'Trend' als musikalische Bezeichnungskategorie wirklich verdient; selbstverständlich aber wird es immer wieder hervorragende einzelne Produktionen und Projekte geben, die von sich Reden machen, und von daher vielleicht auch diverse, nebeneinander existierende 'Minitrends', die sich wechselseitig jedoch nicht dominieren können (und wollen).

Frank Spinath: Ich beobachte, dass elektronische Musik, die ich persönlich innovativ finde (und da können die Meinungen natürlich völlig auseinander gehen), Genregrenzen überschreitet und Stilrichtungen vermischt, z.B. Retro-Sounds, klassische Synthlinien und dreckige Drums, die dir ins Gesicht treten, kombiniert mit versierten Kompositionen und druckvoller Produktion. Wenn ich derzeit neue Musik höre, wünsche ich mir oft mehr Abwechslung (z.B. zwischen den Stücken einer Band), ruhig auch mal Widersprüche statt allzu glatter Konzepte. Rotersand ist beispielsweise mit ihrem neuen Album "Welcome To Goodbye" eine gekonnte Mischung sehr verschiedene Stile gelungen. Was die CD zusammen hält, ist das, was Rotersand ausmacht, sozusagen die Identität der Band. Davor habe ich Respekt und das finde ich richtungsweisend.
Am Rande muss ich beim Thema "Trend" bzw. "Trendsetter" gerade an Kraftwerk denken. Einigkeit besteht unter den Elektrofans vermutlich über den Kultstatus, den diese Band zu Recht genießt. Die Kehrseite dieser Medaille ist in meinen Augen, dass die Band heute kaum noch Bewegungsspielraum hat, weil die Erwartungen an neues Kraftwerk Material aufgrund ihres einzigartigen Status beinahe unerfüllbar geworden sind.

6. Wird die Akzeptanz für elektronische Musik aus anderen Bereichen größer, sodass man mit neuen Impulsen umzugehen weiß, Szenen sich gegenseitig musikalisch bedienen oder kocht am Ende doch jeder sein eigenes Süppchen?
 

Daniel Myer: Musiker unter sich schon, nur die "Fans" kapieren bzw. verstehen alles sehr, sehr spät. Wenn du vor 7-8 Jahren einen Rotersand Song in einem schwarzen Club gespielt hättest, wärst du als DJ gesteinigt worden. Vor ein paar Jahren ist mir das mit DJ Hell Sachen oder Peaches ähnlich gegangen. Heute wird Benny Benassi (auch schon über 2 Jahre alt) als ultimative Partyscheibe in schwarzen Clubs eingesetzt.

Julia Beyer: Ich habe das Gefühl, dass es innerhalb der unterschiedlichen elektronischen Szenen viele Verschmelzungen gibt, wie man gerade an der Vermischung von EBM und Techno ziemlich gut beobachten kann. Irgendwie gelten aber Bands, die sowohl Gitarren als auch Syntheziser benutzen, immer eher als Gitarrenband und nie als Electro-Band, wie zum Beispiel Zeromancer. Ich glaube auch, dass es wichtig ist, dass es diese Abgrenzung in klare Richtungen gibt, da sie dem Hörer erlauben, sich mit einer bestimmten Richtung und damit Lebeneinstellung zu identifizieren.

Dirk Hoffmann: Ich denke, gerade in der elektronischen Musik kocht kaum noch einer nur sein eigenes Süppchen. Auf jeden Fall ist in dieser Szene die Bereitschaft, neue Impulse aus anderen Bereichen aufzunehmen, ohnehin extrem ausgeprägt. Die Sampler-Serie Advanced Electronics zeigt doch immer wieder, wie fließend die Grenzen mittlerweile geworden sind zwischen Mainstream und Underground, konventioneller Disco und schwarzen Tanzflächen, und das ist auch gut so. Schließlich lassen sich nur neue Trends - wenn auch nur kleine - entwickeln, wenn man die Ohren nach allen Seiten offen hält …

Torben Schmidt: Ja, ich denke die Akzeptanz ist da, es wird stellenweise sehr wohl über den Tellerrand geschaut, wenn viele Redakteure, Schreiber, aber auch Konsumenten und Fans manchmal nicht so engstirnig und verbohrt wären.

Ion Javelin: Sie ist schon längst größer geworden, und auch das Ineinanderverweben unterschiedlicher Stilrichtungen ist bereits ein 'alter Hut', wobei sich hier - neben viel Redundantem - immer wieder neue interessante Mischungen (bzw. bereits bekannte mit veränderten Schwerpunkten) herauskristallisieren werden. Doch auch Puritaner wird es ewig geben, welcher Stilrichtung sie auch immer angehören mögen, und auch sie tragen - wenn man kurz darüber nachdenkt, und jenseits der Trendfrage - zur Erhaltung der Vielfalt bei.

Lorenz Macke: Nur wenn diese elektronische Musik etwas mit den "anderen Bereichen" gemeinsam hat.

Markus A. Müller: Nein, es kocht schon lange kaum einer mehr sein eigenes Süppchen. Gegenseitige Inspiration und Befruchtung ist doch gerade in der elektronischen Musik ein absolutes Muss und wird von vielen praktiziert. Ich halte das auch für unabdingbar. Elektronische Musik ist doch nicht mehr wegzudenken aus unserem alltäglichen Leben. Sie hat jetzt schon eine sehr hohe Akzeptanz. Selbst sogenannte klassische, ernste Komponisten wie Philipp Glass bedienen sich immer öfter elektronischer Klangerzeuger.

Torben Wendt: In sämtlichen Stilistiken bedienen sich die entsprechenden Künstler so ausgiebig an elektronischen Einflüssen, dass die Akzeptanz elektronischer Musik heutzutage nach meinem Ermessen nur noch von den absoluten Hardlinern aus dem Metal- oder Christenrockbereich in Frage gestellt werden dürfte, von dahingehend ahnungslosen Musikliebhabern älterer Generationen einmal abgesehen. Ich sehe es so, dass die Szenen sich gegenseitig eher inspirieren, allenfalls wohlwollend belächeln, als im Clinch zu liegen. Nebenbei bemerkt ist ein etwaiger Mangel an Akzeptanz nie so groß gewesen, wie medial dargestellt.

Frank Spinath: Ja, ich glaube die Akzeptanz gegenüber elektronischen Sounds und Tools ist gewachsen und aus den meisten gegenwärtigen Produktionen nicht mehr wegzudenken. Trotzdem scheint mir, dass die elektronische "Szene" sich in ihrer Bedeutung im Verhältnis zum Mainstream nicht sonderlich verändert hat. Erfolgreiche Deals von Szenebands mit Majorlabels sind die Ausnahme und die Hürden für den größten Teil der Bands aus unserer Sparte, sich einem größeren Publikum vorzustellen (z.B. über Radioplay) sind nach wie vor hoch. Der Abbau des CD-Angebots in den einschlägigen (aber nicht spezialisierten) Läden wie MediaMarkt und dergleichen tut ein Übriges, so dass es gerade für Newcomer immer schwieriger wird, sich auf dem klassischen Weg der CD-Veröffentlichung beim Publikum vorzustellen. Das Internet bietet zwar neue und zum Teil wirklich spannende Alternativen, aber ich selbst hänge noch an der Vorstellung, in einen Laden zu gehen und CDs Probe zu hören, mich von Artwork oder individuellen Empfehlungen neugierig machen zu lassen, etc. Diese Kultur ist aber kaum noch vorhanden und nur zum Teil durch die Clubs ersetzt worden. Dieser Verantwortung nachzukommen, nämlich Vielfalt zu erhalten und auf Neues aufmerksam zu machen, halte ich für eine wirkliche Aufgabe eines guten DJs: Statt eines "sicheren Abends" mit den üblichen Verdächtigen auf dem Plattenteller oder im Laufwerk auch Neues anzubieten. So ein bisschen wie die guten alten Grenzwellen. Da reihten sich z.T. auch obskure Mixturen aneinander und doch gab es ein verbindendes Element.


 7. Wie beurteilst du die Aufgeschlossenheit des Publikums gegenüber neuer Musik? Ist es im Gegensatz zu früher einfacher oder schwieriger geworden, sich Aufmerksamkeit zu erringen, sei es die eigene Musik oder andere Musik, die man gerne anderen Leuten näher bringen möchte?
 

Ion Javelin: Analog zu 6. sehe ich grundsätzlich eine eher gewachsene/wachsende Aufgeschlossenheit, wobei hier der Begriff des Publikums differenziert gesehen werden muß: Das Problem für innovative, sich nicht in 1. Linie oder auch gar nicht am Kommerz ausrichtende Musikschaffende dürfte weniger in der Frage bestehen, ob es für ihre jeweiligen Musiken überhaupt ernsthaft Interessierte gibt, sondern vielmehr darin, diese potentiellen Interessenten trotz des riesigen Überangebots möglichst gezielt 'ausfindig' bzw. auf sich aufmerksam zu machen.


Lorenz Macke: Früher waren die Leute aufgeschlossener, denn es war nicht so leicht an Musik + Infos zu kommen. Man hat zwar als Label / Band heute mehr Möglichkeiten auf sich aufmerksam zu machen, jedoch ist die Gefahr, dass man "untergeht", in der Masse auch größer.

Daniel Myer: Es ist einfacher, wenn die Musik Regeln befolgt. Sachen, die vor Jahren als Technotrance beschimpft wurden, sind heute die perfekten Hits im Club. Alles was nach einem bestimmten Schema aufgebaut ist wird funktionieren. Dazu noch ein "krasses" Image gebastelt und gezielte Promotion vom Label und BUMM, der neue Star ist geboren. Leider werde ich nie diese Regeln befolgen können, ich habe kein Image, das man vermarkten könnte und meine Musik ist zu anders...

Markus A. Müller: Durch das Internet ist es ungleich einfacher geworden, seine eigene bzw. neue Musik bekannt zu machen oder zu verbreiten. Die Aufgeschlossenheit des Publikums ist sehr unterschiedlich. Das hängt von vielen Dingen ab. Die Leute müssen einerseits selber offen sein und andererseits auch gefordert werden. Es sind immer zwei Seiten, die bestimmen, ob es eine lebendige Entwicklung oder Stillstand gibt. Es braucht Impulse und Empfänger.

Dirk Hoffmann: Es ist auf jeden Fall schwieriger geworden, mit einer neuen Platte die Aufmerksamkeit des einzelnen Hörers zu erreichen. Die Krise der Musikindustrie hat insofern etwas Gutes, als dass nicht mehr wirklich jeder Schrott veröffentlicht werden kann, weil man sich immer weniger Flops erlauben kann. Das kann auf der anderen Seite aber auch die Innovationskraft der Musiker hemmen, wenn diese sich nur noch auf massenkompatible Kaufhausmusik beschränken. Es gibt aber nach wie vor einfach zu viele Veröffentlichungen, die dann auch noch von so kurzer Halbwertzeit sind, dass man sich die Mühe hätte sparen können, sie zu publizieren. Wenn ich mich an die Zillo-Anfangstage vor über 15 Jahren erinnere, gab es gerade mal fünf Bands, die auf dem Cover erwähnt wurden, mittlerweile sind es über dreißig. Wer soll das denn alles hören? Muss man das überhaupt? Ich meine, überwiegend nicht...

Torben Schmidt: Es ist stellenweise zermürbend ständig Diskussionen führen zu müssen, mit den ewig Gestrigen, aber auch mit denen, die außer der "Next Generation" absolut gar nichts kennen. Ein guter Mittelweg und ein wenig mehr "open minded" sein, würde der "Sache an sich" ganz bestimmt nicht schaden...

Julia Beyer: Ich glaube, das hängt vermutlich ganz von der Szene ab, in der man sich bewegt. In der relativ kleinen Electro-Szene ist es immer noch relativ einfach, als neue Band Aufmerksamkeit zu bekommen im Gegensatz zur Dance-Szene, in der tonnenweise Vinyls gesichtsloser Projekte erscheinen, die genauso schnell wieder von der Bildfläche verschwunden sind. Es gibt im Gegensatz zur Dance-Szene eine gewisse Loyalität bei den Hörern zu Bands, die sie gut finden, analog zur Rockmusik. Bei meinen Anfängen mit Technoir hat es mich sehr positiv überrascht, wie einfach es im Grunde ist, sich als unbekannte Band in der Gothic-Szene allgemein schnell einen Namen zu machen und Leute mit seiner Musik zu begeistern.

Torben Wendt: Ich glaube, der Grad an Aufgeschlossenheit hat sich nie geändert, wohl aber die Intensität der medialen Impulse und die Angebotsbreite, -tiefe und -dichte. Zum einen kann niemand mehr den Überblick behalten, zum anderen lassen gerade die als brandheiße Trends präsentierten Produkte meist den Rückschluss sich bewahrheiten, dass es sich um einen Riesenscheiß handelt. Wie gesagt, das Bedürfnis nach neuem Material ist ungebrochen, die Rezeptoren sind jedoch betäubt, überlastet und müssen ggf. erst freigeschaufelt werden.

Frank Spinath: Ich glaube, dass das Publikum aufgeschlossen genug ist. Wenn eine neue Band wirklich etwas zu bieten hat und auf ein Minimum an Gehör trifft, dann besteht die Bereitschaft, sich mit der Musik zu beschäftigen. Mein Beispiel in dem Zusammenhang wären Iris. Ein klarer Fall von "Qualität kommt an!". Der Weg bis dahin ist jedoch oft mühsam. Das Publikum hat es allerdings auch nicht so leicht. Wenn ich mir anschaue, wie viele Superlative in den Anzeigen und z.T. den Besprechungen neuer Musik verwendet werden, da beschleicht mich selbst schnell eine gewisse Abwehrhaltung nach dem Motto: "So unglaublich gut können die gar nicht sein..." (was zudem dann häufig auch noch stimmt). Und dann fällt mein Urteil über eine neue Band oft kritischer aus als es ohne diesen z.T. absurden Hype hätte sein können. Ein Beispiel für ein aus meiner Sicht gutes und mir sehr sympathisches Marketingkonzept ist hingegen die Septic Sampler-Reihe aus dem Hause Dependent. Was mir daran gefällt, ist dass sich Stefan (Herwig) hier seinen ganz subjektiven Blick auf die Musikszene gestattet und eine Mischung aus meist raren Sachen vom eigenen Label kombiniert mit anderen Titeln von zum Teil völlig unbekannten Bands anbietet. Gerade dass es nicht nur labeleigenes Material ist, macht die Sache für mich glaubhafter als die typischen Labelcompilations. Gleichzeitig ist die Septic Reihe aus meiner Sicht persönlicher als viele der großen Samplerserien, von denen es nach kürzester Zeit 10 Ausgaben + Best Of gibt.


8. Welchen Teil elektronischer Musikgeschichte würdest du heute gerne noch mal miterleben oder wärst gerne dabei gewesen?
 

Torben Schmidt : Ich fühle mich im Jetzt sehr wohl. Jede Phase, "Epoche" hatte ihren Reiz, ich würde aber nichts hinterher trauern oder wieder haben wollen.

Dirk Hoffmann: Ich hätte auf jeden Fall gern mehr live von der Industrial-Szene mitbekommen, Test Dept., SPK, die Neubauten, Z'ev, Cabaret Voltaire, Coil, Throbbing Gristle in ihren wilden, aufregenden Anfangstagen erlebt - aber das ist nun mal leider das Los der zu spät Geborenen ...
 


Torben Wendt: Kraftwerk, Kraftwerk, bla bla bla. Nein, nein, ich bin im Hinblick auf die elektronische Musik ganz zufrieden mit der Zeit, in der ich lebe. Ich verliere mich zuweilen zwar im Ereifern über die unsäglichen Ausprägungen der heutigen Musikwelt und der Spielregeln der Vermarktung und das beschränkt sich keineswegs auf die Politik der Majors, ich bezweifle aber, dass früher alles so viel besser war.

Lorenz Macke: Wäre ich bereits 1961 auf die Welt gekommen, hätte ich mit 18 schon reisen können und die Anfänge des Electros live verfolgen können. Hätte gerne damals mal Yazoo, Human League, Gary Numan, Fad Gadged, Indochine, Kraftwerk (aber auch die Ska-Bands wie Madness, Specials, Selecter) in den Jahren 1979 - 1983 gesehen. Nochmal erleben: 1984 Depeche Mode in Hannover.

Markus A. Müller: Die Anfangszeit, Ende der 70er. Das wäre schon spannend, zu erleben wie es losging.

Frank Spinath: Ich glaube, ich war (zumindest aus meiner Sicht) genau in der richtigen Zeit dabei, denn ich könnte mir nichts besseres vorstellen als musikalisch in den 80ern sozialisiert zu sein: mit dem 80er New Wave à la Kissing The Pink, Yazoo, Human League oder Heaven 17, und dann die Geburt des Genres aus erster Hand mitzuerleben, was seinerzeit als Electronic Body Music galt, wozu jedoch die gesamte Bandbreite von Bands wie Skinny Puppy, The Weathermen oder Severed Heads gehörten. Besser geht's einfach nicht!

Ion Javelin: Ein kurzer, ausgewählter Ausflug in die Jahre '80 bis '83 wäre nicht verkehrt.

Daniel Myer: Ich habe den Teil miterlebt und mitgestaltet, der für mich am spannendsten ist und war. In einer Zeit, wo die Einstürzenden Neubauten angefangen haben, wäre ich glaube daran gescheitert, dass zu viel improvisiert wurde. Ich mag Musik arrangiert und strukturiert.

Julia Beyer: Nun, die Geschichte der elektronischen Musik ist im Prinzip ja noch gar nicht so alt, wenn man die Anfänge in den Siebzigern bei Kraftwerk, Tangerine Dream oder Jean-Michel Jarre sucht, die rein elektronische Musik wirklich populär gemacht haben. Wenn ich die Entwicklung der Produktion von elektronischer Musik sehe, möchte ich überhaupt nicht zurück, da die Möglichkeiten nie einfacher und vielfältiger waren als heute. Rein musikalisch gesehen, wäre natürlich Anfang und Mitte der Achtziger eine Periode, die ich gern am eigenen Leib erfahren hätte. Traum natürlich wäre es beispielsweise, bei solch historischen Ereignissen wie dem ersten Konzert von Depeche Mode oder später auf Konzerten dabei gewesen zu sein, als sie von Fad Gadget, Nitzer Ebb oder Front 242 supportet wurden.


9. Welche fünf Alben elektronischen Ursprungs würdest du heute jüngeren Leuten gerne mit auf den Weg geben?
 

Lorenz Macke:

Kraftwerk - Die Mensch Maschine
Depeche Mode - Speak and Spell
Depeche Mode - Violator
Jean Michele Jarre - The Hits
Colony 5 - Colonisation


Dirk Hoffmann:

SPK - Machine Age Voodoo
Skinny Puppy - Mind T.P.I.
Klinik - Face To Face
Cabaret Voltaire - Micro-Phonies
Clock DVA - Buried Dreams

 

Torben Schmidt:

Jüngeren Leuten" *lach* ich bin 33 *hust* Hm das ist schwer:
New Order - Substances
Moskwa TV - Dynamics & Discipline
Spandau Ballet - Anthology
Leaether Strip - Pleasure of Penetration
Skinny Puppy - The Singles Collection


Markus A. Müller:

Yello - Claro Que Ci
Tomita - Bilder einer Ausstellung
Recoil - Liquid
Depeche Mode - Construction Time Again
Vangelis - Greatest Hits


Daniel Myer:

Depeche Mode - Violator / Black Celebration
Skinny Puppy - Too Dark Park
Nitzer Ebb - Believe
Photek - Modus Operandi
Frontline Assembly - Caustic Grip
Es gibt da noch viele mehr, aber diese Alben haben mich sehr geprägt.


Frank Spinath:

Kissing The Pink - What Noise
The Tear Garden - Tired Eyes, Slowly Burning
Chris Carter - Small Moon
IAmX - Kiss & Swalllow
Yazoo - Upstairs at Eric's


Torben Wendt:

Das ist schwer. Ich muss die Anzahl etwas überdehnen.
Massive Attack - Mezzanine
Rob Dougan - Furious Angels
Erlend Øye - Unrest
Klangstabil - Kantorka
IamX - Kiss & Swallow
Aphex Twin - Ventolin
The Coral - The Invisible Invention
Diary Of Dreams - End Of Flowers
The Future Sound Of London - Dead Cities
Orbital - Orbital


Julia Beyer:

Natürlich spiegelt das nur meinen ganz subjektiven Geschmack wieder, aber musikalisch besonders interessant und somit empfehlenswert sind in meinen Augen diese Alben:

Alte Musik:
Camouflage - Bodega Bohemia
Depeche Mode - Violator
Bel Canto - Birds Of Passage
Kissing The Pink - Naked
Simple Minds - New Gold Dream

Neue Musik:
Junkie XL Radio JXL - A Broadcast From The Computer Hell Cabin
Mesh - In This Place Forever
Iris - Awakening
The Crystal Method - Legion Of Boom
Covenant - Northern Light


Ion Javelin:

Du erlaubst, daß ich ein paar mehr Alben aufliste, zuvor aber noch drei Bemerkungen:
1. Natürlich ist solch eine Kurzauflistung - selbst wenn sie mehr als 5 Titel beinhaltet - immer ungerecht, da sie viel mehr ignoriert als benennt. Aber immerhin: Die anderen sind ja auch noch da. :)
2. Es dürfte nach oben Gesagtem nicht überraschen, dass ich in erster Linie songorientierte Künstler ausgewählt habe, und hier wiederum jene ihrer Alben, die meines Erachtens nicht nur exemplarisch sind, sondern auch fast durchweg wunderbare/gute Kompositionen enthalten, einfallsreich arrangiert und - in den meisten Fällen - ausgezeichnet produziert sind.
3. Es sind keine Alben enthalten, die sich meines Erachtens schwerpunktmäßig bereits knapp in einer anderen Stilkategorie bewegen, auch wenn sie sich sehr gekonnt elektronischer Elemente bedienen.

Tangerine Dream - Cyclone ('78)
Brian Eno - Ambient 1: Music For Airports ('78)
Tuxedomoon - Half-Mute ('80)
Yello - Solid Pleasure ('80)
Devo - Freedom Of Choice ('80)
Yellow Magic Orchestra - Technodellic ('81)
Gary Numan - Photograph (Best of) ('81)
Brian Eno/David Byrne - My Life in the Bush of Ghosts ('81)
Kraftwerk - Computerwelt ('81)
Thomas Dolby: The Golden Age Of Wireless ('82)
The Art Of Noise: Who's Afraid Of The Art Of Noise? ('84)
Dead Can Dance - Within The Realm Of A Dying Sun ('87)
Depeche Mode - Songs of Faith and Devotion ('93)
Massive Attack - Mezzanine ('98)
Wolfsheim - Casting Shadows ('03)
Ion Javelin/Harald Löwy - Broken Surface ('03)

Ein Danke an alle beteiligten Personen


interview: Thomas Tröger & Torben Wendt, dirk hoffmann, frank spinath,
ion javelin, julia beyer, lorenz macke, markus a. müller, torben schmidt

quelle online Interview: electric-diary.com - september 2005

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