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Die Produktion der '“Repale“ verlief davon gänzlich unabhängig als eigenständiges Projekt. Als sich jedoch abzeichnete, dass „Pale“ und „Repale“ ungefähr gleichzeitig fertig werden würden, erschien es sinnvoll, beide Alben auch am selben Tag auf den Markt zu bringen.
re-flexion: Wie und wann kamt ihr auf die Idee "Repale" entstehen zu lassen? Was war euch bei "Repale" musikalisch besonders wichtig? Was wollt ihr damit besonders ausdrücken, erreichen, was auf gar keinen Fall?
Diorama: Auf der einen Seite gab es den Ansatz, zum Abschluss dieses ereignisreichen Jahres eine art Bonusalbum mit unveröffentlichtem Material für die Fans zu veröffentlichen. Auf der anderen Seite haben wir damit Ideen verwirklicht, die uns schon lange vorgeschwebt hatten. Zum Beispiel die unveröffentlichten Songs, die zum Teil seit Jahren in Ansätzen vorlagen, aber aus unterschiedlichen Gründen für die vorherigen Alben nicht in Betracht gezogen wurden. Wichtig war in diesem Zusammenhang, den kopf freizubekommen, um mit dem nächsten Album wieder komplett bei null anfangen zu können - wie ein Reset-Knopf. Deswegen habe ich auch nie einen Hehl daraus gemacht, dass „Repale“ nicht als klassisches neues Diorama Album zu verstehen ist, sondern als formlose Sammlung vieler verschiedener Ideen, Ansätze und Kollaborationen.
re-flexion: Warum habt ihr das Album "Repale" genannt, denn darauf sind Songs aus der kompletten Bandhistorie und nicht nur von "Pale"? Das ist doch ein wenig verwirrend? Warum nicht einen eigenen, unabhängigen Titel?
Diorama: Wichtig war für uns einerseits, dass der Titel Bezug auf die Vergangenheit nimmt und dass andererseits zum Ausdruck kommt, dass es sich vorrangig um Re-Arrangements, Re-Interpretationen und Re-Mixe handelt. Daher also die Vorsilbe „Re“ und der Zusatz „Pale“ als Bezugnahme auf den „bleichen“ Gemütszustand, der damals die Triebfeder gebildet hat, überhaupt eine Band zu starten und Musik zu machen und der über die Jahre hinweg keineswegs an Relevanz eingebüßt hat. So stand einfach irgendwann der Titel „Repale“ im Raum. Davon abgesehen finde ich verwirrend gar nicht falsch. Wer uns kennt, der weiß, dass wir schon immer ein Faible für die Verwirrungstaktik hatten, vielleicht auch, weil wir es oft selbst nicht blicken.
re-flexion: Wie waren seinerzeit die Reaktionen auf euer Debütalbum "Pale" (1999)? Was hat sich bis ins Jahr 2005 verändert; dies in musikalischer und persönlicher Hinsicht?
Diorama: Die Reaktionen waren unterschiedlich. Es kamen viele Vergleiche zu Diary Of Dreams auf, die ich immer wieder kommentieren sollte, andererseits kam aber auch viel Euphorie rüber, vor allem aus dem Ausland. Jedenfalls ist „Pale“ auch nach all den Jahren das Album, zu dem wir die tief gehendsten Fanreaktionen erhalten. Die musikalische Entwicklung seither kann ja jeder anhand der Alben nachvollziehen. Wir sind sicher eine ganze Spur aufwändiger, verspielter und massiver geworden. Dafür fehlt die Beschränkung auf das Wesentliche. Manchmal vermisse ich das. Im persönlichen Bereich ist nichts allzu Spektakuläres vorgefallen. Ich habe einen komischen Mikrokosmos um mich herum aufgebaut, weil ich mit dem Rest der Welt nicht viel anfangen kann und will. Aber vielleicht tut das jeder auf seine Weise.
re-flexion: Welche Art von Erfahrungen oder Fiktionen integriert ihr in eure Songs, und wer ist für die einzelnen Komponenten (Gesang und Text) bei euch verantwortlich?
Diorama: Grundsätzlich kann alles, was einen gedanklichen oder emotionalen Impuls auslöst, die Grundlage oder den Inhalt eines Songs darstellen. Bei mir sind das unentwegte Nachdenken über andere Menschen und mich selbst, Träume, Zweifel und existenzielle Ängste, darüber hinaus Natur und Rauschzustände vorrangige Inspirationen. Verantwortlich für Gesang und Texte bin ich, die anderen Komponenten entstehen je nach Song durchaus aus gemeinsamer Arbeit.
re-flexion: Einige Songs auf "Repale" haben einen house-mäßigen Touch wie "The Girls (Bombay Overdose Version)" oder "The Rich Are All Perverted"? Ist mein Eindruck richtig? Was könnt ihr uns über diese beiden Songs berichten?
Diorama: Wenn ich eins nicht bin, dann Experte für House-Musik. Keine Ahnung. Den Mix von „The Girls“ hatten wir zur „Amaroid“-Zeit bereits vorliegen, haben uns dann aber für die langsamere, krachigere Version entschieden. „The Rich Are All Perverted“ ist die Vertonung eines Streifzugs durch eine aufgetakelte Nachtleben-Szenerie mit der ganzen Yuppie-Scheiße und dem kranken Rollenverhalten. Wenn du dir das mal eine Nacht lang gibst, dann weißt du irgendwann, dass das echt nicht sein kann, das muss irgendein Trip sein.
re-flexion: Was ist euch bei den fünfzehn Songs auf "Repale" besonders wichtig, denn die Songs sind ziemlich unterschiedlich? Welcher Song bedeutet euch am meisten, warum? Möchte Diorama ihre verschiedensten Facetten zeigen? Seid ihr euch uneinig bei der Stilfindung oder steht ein musikalischer Umbruch an?
Diorama: Vielschichtigkeit war schon immer eine grundlegende Eigenschaft unserer Musik. Für uns ist es unabdingbar, keinen stilistischen Beschränkungen zu unterliegen, damit das ganze etwas Lebendiges bleibt. Diesen Freiraum haben wir uns mühevoll erarbeitet. viel bedeutet hat mir bei der Produktion der „Repale“ vor allem das intensive Auseinandersetzen mit den Frühwerken „Pale“ und „Leaving Hollywood“.
re-flexion: Wie kam die Zusammenarbeit mit den Remix-Künstlern Klangstabil, Kartagon und Frozen Plasma zustande? Vasi Vallis habt ihr sicher auf der Tour mit VNV Nation kennen gelernt? Was schätzt ihr an den unterschiedlichen Künstlern?
Diorama: Wir haben uns die externen Beiträge sorgsam ausgesucht und waren uns bereits im Vorfeld sicher, dass da solide und interessante Arbeiten entstehen würden. Besonders Klangstabil gehört zu unseren Lieblingsbands. Wir stehen uns auf künstlerischer und philosophischer Ebene sehr nahe.
re-flexion: Diorama sind mit einigen Stücken aus dem "Amaroid"-Album in dem deutschen Spielfilm "Atina & Herakles" vertreten, der voraussichtlich Anfang 2006 in die Kinos kommen wird. Wie kam die Zusammenarbeit zustande? Was gibt es zu dieser Geschichte interessantes zu erzählen?
Diorama: Das ist nicht weiter spannend. Der Regisseur ist ein Fan unserer Musik und mir gefällt der Film. Unsere Songs sind als Untermalung einer Partyszene in der Unterwelt angefragt worden, da konnte ich natürlich nicht nein sagen.
re-flexion: Mit eurem Musikstil seid ihr möglicherweise nicht voll im Trend, denn dann müsstet ihr mehr wie Nightwish, Within Temptation oder The Birthday Massacre klingen. Wie seht ihr die Entwicklung in der "Schwarzen Szene"? Was denkt ihr, wird sich in Zukunft ändern? Zurück zu den Wurzeln oder neue innovative Stilrichtungen?
Diorama: Viele Entwicklungen innerhalb unserer Szene nehmen wir relativ unbeteiligt wahr. Ich tue mich auch schwer damit, diese Dinge aus meiner Sicht zu schildern. Einiges kann ich nachempfinden, anderes gibt mir überhaupt nichts. Wenn ich mir Heutzutage die einschlägigen Szenemagazine durchblättere, würde ich mir manchmal ein wenig mehr Underground zurück wünschen und weniger Glanz und Glamour, aber auch das ist Ansichtssache und zweischneidig. was die Zukunft angeht, habe ich keinerlei Erwartungen.
re-flexion: Was würdet ihr in der Geschichte verändern, wenn ihr das Rad der Zeit zurückdrehen könntet?
Diorama: Den Urknall verhindern.
re-flexion: Wie sieht die Zukunft von Diorama aus? Ist eine eigene Tour geplant oder sind bereits neue Ideen für neue Aufnahmen in Gedanken?
Diorama: Beides! Den Schwung aus 2005 nehmen wir auf jeden Fall mit ins neue Jahr. Die Vorbereitungen für neue Veröffentlichungen laufen bereits, ebenso die Planungen für kommende Konzertaktivitäten, die auch eine Tour einschließen sollen.
re-flexion: Herzlichen Dank für die interessanten Antworten. Ich wünsche euch für die Zukunft alles Gute und viel Erfolg mit "Repale" und "Pale".
Diorama: Danke. Alles Gute für euch.
interview: re-flexion/Marco Meier & diorama
fotos: silke jochum
quelle online interview: re-flexion.de - 2005
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