Interview mit Torben Wendt

Wenn du deine Musik malen würdest, wie sähe das Bild aus (farblich, stilistisch)?

Torben Wendt: Vermutlich abstrakt mit viel grau, vielen Schattierungen, vielen Details und hie und da einem Farbakzent.

Für wann ist die Veröffentlichung der geplanten Ep und des angekündigten Albums vorgesehen?

twn: Da wir immer noch In der Produktionsphase sind, kann ich hier noch keine genauen Angaben machen.

Wird es Änderungen im musikalischen Stil geben? Liegt man mit der Vermutung richtig, dass Diorama in Zukunft organischer klingen werden,
orientiert am Live - Sound?

twn: Sicher entstehen durch die jeweiligen Instrumentalisten organische Elemente in den Produktionen, jedoch spielt die Elektronik
nach wie vor die erste Geige. Diorama hat nicht den Anspruch, dem Sound einer klassischen Rockband nachzueifern. Vielmehr begeistert uns der
Unterschied des Live-Klangbildes im Vergleich den Studioaufnahmen, den wir in dieser Besetzung realisieren können.

Was hat es mit dem geheimnisvollen Nebenprojekt auf sich? Was erwartet die Fans diesbezüglich, in welche Richtung bewegt sich dieses Projekt?

twn: Ich spiele schon lange mit dem Gedanken, ein Soloprojekt zu veröffentlichen. Das hört sich vielleicht etwas albern an, da ich bei
Diorama auch für Songwriting und Produktion hauptverantwortlich bin. Dennoch sehe ich in einem Solo-Album die Möglichkeit, einen ganz neuen
Ton anzuschlagen, der nicht zwangsläufig im Einklang mit der Entwicklung stehen muss, die wir bei Diorama vollziehen.

Da uns bekannt ist, dass du Kurzgeschichten verfasst, kann man mit der Veröffentlichung selbiger in Buchform rechnen?

twn: Auch das ist schon lange eine Überlegung.

Welches war das beste eigene Konzert und warum?

twn: Neben einigen anderen ist mir vor allem unser Konzert in Moskau im Oktober 2005 als herausragend im Gedächtnis geblieben.

Und welches war das "schlechteste"?

twn: Mein allererstes Konzert in Belgien im April 2000 war vermutlich eine Zumutung.

Welches war das beste Konzert, das du als Besucher erlebt hast?

twn: Radiohead im Sommer 2003 in Madrid.

Und welches von dir besuchte Konzert blieb dir als schlechtestes Konzert in Erinnerung?

twn: Ich will niemandem auf den Schlips treten.

Was empfindest / empfindest du / ihr auf der Bühne? Welche Gedanken schießen einem da durch den Kopf?

twn: Vor allem Befreiung. Die Möglichkeit Gefühle und Ängste rauszuschreien, ausbrechen zu lassen. Sich nicht verstecken zu müssen.

Was ist die peinlichste Cd in deinem Cd - Regal (oder ganz hinten im Schrank versteckt ;-))?

twn: Kuschelrock I-III.

Welche drei Bücher hast du zuletzt gelesen?

twn: Die Geschichte der O., Der Schatten des Windes und ein Buch über die Körpersprache von Hunden.

Welche drei Bücher würdest du auf eine einsame Insel mitnehmen?

twn: Das Schloss, Der Prozess, Der Verschollene.

Und welche fünf Cd 's würden dich auf deiner Reise begleiten?

twn: Klassik, eine Zusammenstellung aus Chopin, Grieg, Smetana und weiteren.

Mit wem würdest du gerne einmal einen Tag fang tauschen und weshalb?

twn: Mit niemandem. Weil ich niemandem zumuten möchte, ich zu sein.

Mit welcher Person würdest du gerne einmal einen Abend lang bei einem Drink über das Leben philosophieren?

twn: Loriot.

Was kann dich so richtig wütend machen?

twn: Das Gefühl, für dumm verkauft zu werden.

Wie stellst Du Die die Welt in 100 Jahren vor?

twn: Die bedrohlichen Tendenzen, die sich bereits jetzt abzeichnen, bestimmen das Weltbild: dramatische Ressourcenknappheit, klaffende
Schere zwischen arm und reich, Lebenszeit als Luxusgut, durch Migrationsentwicklungen verwischte nationale Grenzen, Aufteilung der Welt in
Handelsblöcke, extreme Naturkatastrophen, unbewohnbare Küstenabschnitte, verkommene Kunst- und Kulturerrungenschaften, religiöser und
ideologischer Fanatismus, Überbevölkerung und Epidemien. Es sei denn, innerhalb der nächsten 50 Jahre kommt es zu einer neuen weltweiten
Eskalation oder die Auswirkungen der Klima- und Umweltfalle, in die die Menschheit mit voller Fahrt rennt, erweisen sich als noch desaströser als
bislang angenommen. Dadurch könnte es schon früher zu einer noch nie dagewesenen Selektion kommen, aus der möglicherweise eine neue
Lebensauffassung, ein neuer Geist entsteht.

Wie würde deine Zukunftsvision der Welt / Gesellschaft aussehen?

twn: An solchen Überlegungen verzweifelt man über kurz oder lang, da jedes denkbare Gesellschaftsmodell unweigerlich mit den
Eigenarten des Menschen in Konflikt gerät. Eine Vision im Sinne einer Wunschvorstellung würde demnach voraussetzen, dass der Mensch nicht so
ist, wie er ist. Unter den gegebenen Bedingungen bleibt alleine, sich mit den Personen, die einem wichtig sind, eine eigene Sub-Gesellschaft
aufzubauen und diese so gut es geht zu gestalten und zu verteidigen. Mir persönlich ist es das Wichtigste, meine Freiheit zu bewahren und mich an
kein anonymes System zu binden.

Wie kommst du mit dem öffentlichen Interesse an deinem Leben / deiner Person infolge des Bekanntheitsgrades zurecht?

twn: Ich lasse mich ungern davon irritieren, was andere über mich denken, habe jedoch keinen dicken psychischen Panzer. Daher versuche
ich im Privatleben zumeist, mich zurückzuziehen und meine Persönlichkeit nicht anderen zum Fraß vorzuwerfen.

Welches ist für dich persönlich das wichtigste / bedeutendste Lied, das du je geschrieben hast?

twn: Leaving Hollywood.

Vielen Dank an Torben, dass er sich die Zeit zur Beantwortung dieser Fragen genommen hat!


interview: unbekannt & diorama [torben wendt]

quelle online interview: diorama-fansite.de - september 2006

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