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Das Display Im Auto zeigt eine Schneeflocke: nur drei Grad plus. Schneegefahr. Am 21. April. Schnell ins Warme. Drinnen befinden sich zwar schon 700, 800 Menschen, aber richtig warm wird es trotzdem nicht Was auch am eiskalten Industrial von Soman, dem ersten Act, liegt Komischer Anblick: ein Mann und sein Apple-Laptop. Motto: „Industrial For Clubs". Mutig, so völlig allein auf der Bühne rumzuzappeln. Hat was von Fitness-Sendungen im Bayerischen Fernsehen - und eins und zwei, und eins uns zwei. Wenn Soman allerdings zu stark rumhampelt, setzt der Computer aus, und das wiederum will so gar nicht zu den 120 beats per minute passen. Kalorienverbrauch: hoch. Unterhaltungswert: niedrig. Gott, kann eine halbe Stunde lang sein ... Dann Diorama. Die Schwaben sind zwar längst nicht so bewegungsfreudig wie Soman, überzeugen dafür aber musikalisch. Die mittlerweile zum Quartett angewachsene Truppe überzeugt durch eine Mischung aus tanzbaren und atmosphärischen Sounds. Nicht wenige Leute rennen zum Merch-Stand und holen sich „Amaroid", das neue Album. Mehr davon. Und bitte noch viel, viel mehr von VNV Nation, denn was die heute in München auf die Beine stellen, ist sensationell. Als die Anfangssequenz des neuen Albums durch die Halle grummelt, weiß jeder, was folgt: „Chrome", die erste Single. Niemand steht still, und wer doch mal kurz Luft holen muss, starrt gebannt auf die Bühne: Zwischen zwei Leinwänden ist das „Schlagzeug" von Mark Jackson aufgebaut, links und rechts davon thronen zwei Live-Keyboarder, die auf ihren Laptops rumhacken. Vor all den Technikaufbauten wuselt Ronan Harris im bunten Scheinwerferlicht rum, und wenn man den guten Mann nach zurückgelegten Bühnenkilometern bezahlen würde, wäre er längst Millionär. Als die ersten Töne von „Joy" ertönen, bebt der Boden, und auch beim folgenden „Darkangel" purzeln die Pfunde. Dann folgt mit dem wunderschönen „Arena" Weiber-Electro', wie Ronan es ironisch ausdrückt und damit klarmacht, dass sich VNV Nation stilistisch nicht begrenzen lassen. Weitere Höhepunkte des regulären Sets: „Standing" (natürlich), „Epicentre" (logisch), das brettharte „Entropy" (sowieso) und das abschließende „Honour" (immer). Mittlerweile dampft die Alabamahalle. Eine Mischung aus Schweiß und Zigarettenrauch legt sich über den Raum. Gerade mal 70 Minuten sind seit Beginn vergangen, aber mit „Homeward", „Distant/Rubicon" und vor allem „Perpetual" (nur Fliegen ist schöner) folgt ein saftiger Zugabenblock. Donnernder Applaus. Nächste Zugabe: „Further" und „Beloveth". Noch stärkerer Applaus. Schließlich noch das rein instrumentale „Electronaut". bei dem alle noch mal alles geben. Schluss. Aus. Vorbei. Fast zwei Stunden Dauerunterhaltung waren's. Die Schneeflocke auf dem Display blinkt klarer als je zuvor. Minus ein Grad. Egal: Wir brennen innerlich. VNV Nation sei Dank.
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