diorama

16.09.05 - bremen - römer - logic friends tour

„Tauch in das Meer, laß Dich schweben“ heißt es in einer (ausnahmsweise deutschsprachigen) Ballade von Diorama – und zum Abtauchen, Schweben, Träumen und Tanzen brachten Torben Wendt und Kollegen die Zuschauer in Bremen tatsächlich mit einem beeindruckenden Club-Konzert im Bremer Römer.

Dabei begann der Abend ziemlich schleppend – und das, obwohl die Supportband Michigan ausgesprochen gut gemachten Synthpop und eine überzeugende Life-Performance bot...allerdings vor sehr dünn besiedeltem Publikum, da der Konzertbeginn für 21.00 Uhr angekündigt war, die Schweden aber bereits um 20.30 Uhr auf die Bühne „geworfen“ wurden. Hinzu kam die typisch norddeutsche Reserviertheit, wenn unbekannte Bands auf der Bühne stehen...das Publikum hielt Abstand und machte es den dreien alles andere als leicht. Schade, denn die Leute, die sich nach vorne gewagt hatten, fühlten sich durchaus (und zu Recht!) glänzend unterhalten. Die Jungs aus dem Norden machten gute Miene zum traurigen Spiel, Sänger Peter Ehn überzeugte neben einer eindrucksvollen Stimme auch durch tänzerischen Einsatz und es bleibt die Hoffnung, die Band bald einmal in einem etwas „freundlicheren“ Umfeld sehen zu können, denn wie gesagt, es lohnt sich.

Auch backstage scheint man Qualität und Quantität des Publikums mit gemischten Gefühlen beobachtet zu haben – zumindest begrüßte Torben Wendt das Publikum mit der Bitte, die mangelnde Masse doch durch etwas Einsatz wett zu machen. Um es vorweg zu nehmen: Bremen kam dieser Bitte durchaus nach!

Das Konzert begann, wie einst auch mit Diorama alles begann: Torben Wendt spielte solo am elektronischen Klavier „Leaving Hollywood“ und hatte die Zuschauer damit sofort in seinen Bann gezogen, bevor dann sein mittlerweile auf drei Musiker angewachsenenes „Kompetenzteam“ die Bühne betrat und es mit „Logic Friends“ schneller und tanzbarer wurde.

Während sich Diorama allerdings als Support von VNV Nation im Frühjahr, der Rolle als „Aufwärmer“ angemessen, eher auf die temporeicheren Nummern fokussiert hatte, gab es diesmal auch erfreulich viele Balladen zu hören – für mich die schönsten und intensivsten Momente des Konzerts.

Der Spass am "Heimspiel" vor eigenem Publikum war den Musikern, allen voran Frontmann Torben, deutlich anzumerken, er scherzte unbefangen mit den Anwesenden, debattierte, ob eine Reutlinger Band dazu geeignet sei, Bremern etwas über das Meer zu erzählen, bedankte sich bei seinem Fanclub und beeindruckte wie immer durch eine eindrucksvolle Bühnenpräsens und lebhaftes Mienenspiel - er geht in seiner Musik auf, und diese Begeisterung ging aufs Publikum über.

So wollte die Band dann auch noch nicht Schluß machen, als das reguläre Konzert beendet war – vielleicht saß ihnen auch der Endtermin des Veranstalters im Nacken ... auf jeden Fall ging es nach der Ansage "Jetzt sind wir an der Stelle, wo wir eigentlich von der Bühne gehen, ihr "Zugabe" schreit und wir dann so tun, als ob wir uns überreden lassen - das skippen wir heut mal" nahtlos weiter, zumindest für Torben.

Während der Rest der Band sich einen Boxenstopp an der Bar gönnte, ging er wieder ans Piano und spielte das von vielen heißersehnte „Das Meer“. Danach durfte er sich über frenetischen Jubel und ein frisches Bier freuen, bevor es in voller Besetzung und „Advance“ und „Champagne for all“ wieder flott zur Sache ging. Nach einer kurzen Rückfrage, die die nächste Zugabenpause ersetzte, gab es dann noch einen Vorgeschmack auf das am 24.10. erscheinende Remix-Album „repale“ zu hören – während Bernard und Sash endgültig zum gemütlichen Teil des Abends übergingen, gab es in der Duettbesetzung Torben Wendt und Felix Marc (der Torben den ganzen Abend auch wie immer sehr beeindruckend gesanglich unterstützt und begleitet hat) „Friends we used to know“ im noch unveröffentlichten Frozen Plasma-Remix.

Ein Abend, der Lust auf mehr macht – und die Chancen stehen wohl nicht schlecht, denn auf der Homepage von Diorama findet man den Hinweis: „weitere live termine werden bekannt gegeben. das schicksal meint es gut mit uns.“ Das dürften die Fans unterschreiben und auf eine baldige Fügung des Schicksals hoffen!


text: Michaela Suchlich

quelle onlinebericht onstage: stage-press.de

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