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Samstag um 8 Uhr hieß es Aufbruch zu unserem ersten Festival im Ausland. Dieses sollte in Polen, in dem kleinen Ort Bolkow (bei Breslau) stattfinden. Die Castle Party lockt bereits seit 1994 einmal im Jahr Fans aus ganz Europa an. Im Norden Deutschlands schien noch die Sonne, was sich Richtung Süden mehr und mehr in einen grauen, verregneten Tag verwandelte. Nach 5 Stunden Fahrt passierten wir die polnische Grenze, um danach auf einer Autobahn weiterzufahren, die den Namen wirklich nicht verdient hatte. Ein „Achtung Strassnschäden“-Schild löste das nächste ab und auch wenn man laut Beschilderung 100 km/h und mehr fahren durfte, wollte man das nicht wirklich. Nachdem wir uns einige Male verfahren hatten, kamen wir dann aber doch noch in dem kleinen Örtchen an und suchten einen möglichst nahen Parkplatz an der imposanten Burg, die man schon von weitem erblicken konnte. Laut unserem Reiseführer sollte man schon in ganz Polen mit Euro bezahlen können. Nicht so in Bolkow! Der Parkplatzwächter verlangte 20 Zloty von uns. Wir taten ihm wohl leid und konnten so auch mit Euro bezahlen. Beherzt fragten wir nach einer Umtauschmöglichkeit, die es an diesem Samstagnachmittag nicht zu geben schien. Ohne einen einzigen Zloty machten wir uns auf, um das Gelände zu erkunden, außerdem hatte uns die bereits spielende Band neugierig gemacht. Also raus aus dem Auto, hinein in den strömenden Regen und in ein Meer aus Capes und Schirmen. Alle überdachten Plätze waren heiß begehrt und erschwerten unseren Rundgang durch das Burggelände. Bei schönem Wetter hätte alles noch ein wenig beeindruckender gewirkt, aber der Ausblick war auch so ziemlich bemerkenswert. Begeistert begingen wir Ecken und Gänge und kletterten auf steile Anhöhen, was in Deutschland aus Sicherheitsgründen wahrscheinlich unmöglich gewesen wäre. Die Bühne war mittelmäßig groß, besaß einen ungewöhnlich breiten Fotograben und bestand innen vollständig aus dunkler, blauer Plane, was ein bisschen an ein Aquarium erinnerte...
...Nun sollte unser zweiter Grund für diese Reise nach Polen auftreten: DIORAMA. Erfreulich war, dass die Sonne nun mit uns um die Wette strahlte und die durchnässten Klamotten wieder trocknete. Schon als Felix Marc (Keyboard) für den Soundcheck das Mikro testete und die ersten Töne von „HLA“ ansang, bekam ich eine Gänsehaut und das Publikum belohnte ihn mit überraschendem Beifall. Die Vorfreude stieg. Nach Felix betraten auch Drummer Marquess und Gitarrist Sash Fiddler die Bühne. Das Intro erklang, wurde lauter und pünktlich zur ersten Textzeile von „HLA“ betrat auch Sänger Torben Wendt die Bühne. Ein tosender Beifall empfing die Vier und unter der leuchtenden Sonne machte es allen gleich doppelt soviel Spaß. Das Publikum wurde schnell in Torbens Bann gezogen, der es immer besser versteht, die Menschen zu begeistern und mitzureißen. Hilfreich ist da immer wieder die perfekte Songauswahl, bei der schnellere, druckvolle Songs gewählt werden und natürlich die sympathische Ausstrahlung und Art, mit der er seine Zuhörer berühren kann. Energetisch forderten DIORAMA das Publikum mit „Synthesize me“ zum Tanzen auf. In die Hände klatschend kam dieses der Aufforderung gerne nach und reflektierte Torbens Freude. Immer wieder gesellte dieser sich zu seinen Bandkollegen und bekräftigte den Eindruck der Harmonie untereinander. Melancholisch, balladesk folgte das ruhige „Belle?“ vom Debüt-Album „Pale“, welches live ein besonderes Highlight darstellte. Wieder schneller und auch aggressiver kam „Erase me“ rüber, bei dem Torben wie ein Wirbelwind über die Bühne tanzte und all seine Ausdruckskraft in Stimme und Bewegung legte. Wieder klatschten wir im Takt und konnten in ehrlich erfreute Gesichter sehen. Bei einem Gitarrensolo rockten Torben und Sash (im Schottenrock) sich gegenüberstehend im Takt. Natürlich durfte auch hier der beliebte Clubhit „Advance“ nicht fehlen, bei dem Torben kurzzeitig die Bühne verließ, um im Fotograben die ihm gereichten Hände abklatschte. Der Dank für diese tolle Atmosphäre lag auf beiden Seiten und das Schwenken der polnischen Nationalflagge beim letzten Song „Why“ war nur noch das I-Tüpfelchen, um die Massen völlig ausrasten zu lassen. Die Band bedankte und verneigte sich noch mal ganz tief, um unter tosendem Applaus die Bühne zu verlassen. Wieder Zugabe-Rufe und plötzlich betrat Torben nochmals die Bühne. Allerdings mit entschuldigenden Worte, weil aufgrund des Zeitplans keine Zugabe möglich sei, aber dass DIORAMA gerne wiederkommen und dann auch länger spielen. Nochmals Begeisterungsstürme und wieder ein Zeichen für die unendliche Sympathie des Frontmanns!
text & foto: Cath Niemann
quelle onlinebericht: musik.terrorverlag.de
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